Posts mit dem Label Politische Bildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Politische Bildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. November 2017

APuZ zum Darknet

Die aktuelle Ausgabe 46-47/2017 der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ) befasst sich mit dem Thema Darknet und steht im Volltext kostenlos zur Verfügung. Die Kurzbeschreibung auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) lautet:
Spätestens nachdem im Juli 2016 ein 18-jähriger Schüler am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschoss, ist auch der deutschen Öffentlichkeit das Phänomen "Darknet" bekannt. Hier soll der Attentäter den Kauf der Tatwaffe angebahnt haben. In den Schlagzeilen erschien das Darknet entsprechend als anrüchige, "dunkle" Seite des Internets. In der Berichterstattung über das Darknet wird aber auch seine "helle" Seite betont: Die absolute Anonymität bietet Menschenrechtlern, Journalistinnen und Whistleblowern in repressiven Staaten Schutz vor politischer Verfolgung. Für sie ist das Darknet oft die einzige Möglichkeit, sich politisch zu engagieren und der staatlichen Überwachung zu entkommen.
Die Ausgabe umfasst die folgenden Aufsätze: 
  • Stefan Mey: "Tor" in eine andere Welt? Begriffe, Technologien und Widersprüche des Darknets - Das Darknet gilt als Gegenentwurf zum World Wide Web und will eine vor Überwachung geschützte unzensierte Kommunikation ermöglichen. Wie zu erwarten, wird die gebotene Anonymität auf gesellschaftlich erwünschte wie ethisch unerwünschte Weise genutzt.
  • Otto Hostettler: Hilflose Ermittler. Warum Kriminelle im Darknet wenig zu befürchten haben - Das Handelsvolumen auf den anonymen Marktplätzen im Darknet hat sich innerhalb der vergangenen Jahre vervielfacht. Die Anonymität bietet Kriminellen ungeahnte Möglichkeiten und stellt Ermittlungsbehörden vor größte Herausforderungen.
  • Daniel Moßbrucker: Netz der Dissidenten. Die helle Seite im Darknet - Das Darknet bietet Rückzugsräume für Dissidenten und Journalisten. Die Technologie hilft, demokratische Strukturen zu stärken. Der Handel mit Spähsoftware sowie weitgreifende Überwachungsgesetze in vielen Ländern beschneiden diese Räume jedoch zunehmend.
  • Matthias Schulze: Going Dark? Dilemma zwischen sicherer, privater Kommunikation und den Sicherheitsinteressen von Staaten - Im Zuge des Antiterrorkampfes wird immer wieder gefordert, Verschlüsselungstechnologien zu schwächen. Dabei haben sie einen großen Nutzen im Bereich der Cybersicherheit. Wenn sie geschwächt werden, erhöht man nicht die Sicherheit, sondern senkt sie.
  • Friedemann Brenneis: Phänomen Bitcoin. Geld, Technologie und gesellschaftliches Ereignis - Vom verruchten Darknet-Geld zur gehypten Digitalwährung mit Milliardenwert: Der Bitcoin hat es innerhalb weniger Jahre weit gebracht. Doch liefert dieses mysteriöse Phänomen mehr Fragen als Antworten. Vor allem: Was ist das eigentlich – und warum ist es noch nicht gescheitert?
  • Albrecht Beutelspacher: Eine kurze Geschichte der Kryptografie - Die ersten Verfahren der Kryptografie sind militärischen und politischen Ursprungs, und sie spielten sich zwischen Staaten ab. Heute ist Verschlüsselung aus unserem Alltag kaum wegzudenken und ermöglicht uns, die Vertraulichkeit von Kommunikation zu schützen.
  • Meropi Tzanetakis: Drogenhandel im Darknet. Gesellschaftliche Auswirkungen von Kryptomärkten - Der Onlinehandel mit Drogen ist so alt wie das Internet selbst. Technologische Innnovationen wie neue Verschlüsselungsmethoden haben jedoch zu einem systematischen und weltweiten Vertrieb von verbotenen Substanzen und anderen Produkten im Web beigetragen.

Dienstag, 31. Oktober 2017

bpb-Sammelband: Medienkompetenz und politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat kürzlich einen für dieses Blog unmittelbar einschlägigen Sammelband veröffentlicht:

Gapski, Harald / Oberle, Monika / Staufer, Walter (Hg.) (2017), Medienkompetenz. Herausforderung für Politik, politische Bildung und Medienbildung, bpb Bonn.

Das Buch kann bei der bpb bestellt (4,50 €) oder kostenlos als pdf oder ebook heruntergeladen werden. Die Beschreibung auf der bpb-Website lautet:

Die digitale Transformation der Gesellschaft ist in vollem Gange und macht auch nicht vor dem politischen System halt: Bots und Big Data Analysen in Wahlkämpfen, Leaks und Fake News in der Berichterstattung und neue digitale Partizipationsmodelle verändern die politische Kommunikation und Willensbildung. Um Verunsicherung über deren Wirkungsweise zu begegnen ist kritisches Denken gefragt, diese neuen Phänomene und die Mechanismen zu verstehen. Dabei wachsen Medienbildung und politische Bildung zusammen. Medienkompetenz kommt eine Schlüsselrolle als Demokratiekompetenz zu.

Der Schriftenband beschreibt die lange gewachsenen und jetzt aktuellen Herausforderungen über digitale Gesellschaft und politisches Handeln, skizziert Medien- und bildungspolitische Positionen, Forderungen und Strategien und begründet Medienkompetenz als eine Schlüsselkompetenz für politische Urteils- und Handlungsfähigkeit. Medienkompetenz als Aufgabe für Politik und Ziel politischer Bildung:

Der Band zeigt Wege in die Bildungspraxis, Gestaltungsmöglichkeiten der Medienkompetenzförderung und der Professionalisierung und fordert Politik, politische Bildung und Medienbildung mit strukturierten Beiträgen zum Handeln auf, die Digital- und Medienkompetenzen entlang der Bildungskette - von der Kita bis zur außerschulischen Bildung - zu stärken und neue, zeitgemäße Formate zu entwickeln. Dieser Schriftenband will Diskurse der Medienpädagogik/Medienbildung und der Politikdidaktik/politischen Bildung in einen fruchtbaren Austausch miteinander bringen.

Sonntag, 2. Juli 2017

Hate Speech und politische Bildung

Im seminarbegleitenden Blog zum Seminar "Web 2.0 & Medienkompetenz" hat Ihre Kommilitonin Sabine einen (sehr) ausführlichen Beitrag zu Hate Speech verfasst, der sich sehr gut zur Nachbereitung der Seminarsitzung eignet: "Hatespeech - Einblick in das Phänomen und wie politische Bildung darauf reagieren kann". Die Autorin stellt u.a. folgende Materialien gegen Hatespeech vor:
  • "Geh sterben!" - eine Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung zu Erscheinungsformen von Hatespeech und Vorschlägen zum Umgang mit diesen.
  • Die Initiative "Zivilcourage Online" informiert über Counterspeech.
  • www.saferinternet.at stellt in einem Handbuch 21 Übungen zur Menschenrechtsbildung vor, die auch die realen Konsequenzen von online-haltespeech aufzeigen.
  • hoaxmap.org hilft herauszufinden, ob Meldungen und Anschuldigungen wahr oder falsch sind.
  • Das Georg-Ecker-Institut für internationale Schulbuchforschung stellt 23 Unterrichtsmodule zu Fremd- und Selbstwahrnehmnung, unterschiedlichen Lebensentwürfen und der Frage "Wer ist wir?" vor.
  • Die Wanderausstellung "Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland" lädt zum Nachdenken über Identitäten, Vorurteile und muslimisches Leben in Deutschland ein.
  • Ein kurzes Info-Heft aus der Reihe "Mach´s klar" der Lpb Baden-Württemberg klärt über Hatespeech, Gegenmaßnahmen und Konsequenzen auf. 
  • Bilder haben viel Macht, die oft negativ eingesetzt wird. Dieses Projekt nutzt die Macht der Bilder, um Befürchtungen aufzugreifen und sie zu entkräftigen.

Samstag, 24. Juni 2017

Partizipation 2.0

Im digitalen Zeitalter werden der Gesellschaft im Internet neue Möglichkeiten des Engagements und der Teilhabe ermöglicht. Diese Möglichkeit muss der Gesellschaft aber erst einmal aufgezeigt werden. In der Schule bietet es sich an, den Schülern und Schülerinnen die Mitwirkung, Teilhabe und Mitbestimmung im Internet zu vermitteln.

Die Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung bietet dazu unterschiedliche Bausteine an. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler schrittweise an Themen wie Gefahren und Risiken der E-Partizipation und Formen der digitalen Teilhabe herangeführt werden.

Das Angebot der Bundeszentrale ist wie ein Unterrichtsentwurf aufgebaut und bietet Lehrern und Lehrerinnen die Möglichkeit, anhand der Bausteine ein eigenes Projekt zu dem Thema zu entwickeln. Die Bundeszentrale stellt verschiedene Materialien und Informationen zur Verfügung. Die Materialien eignen sich für die Klassen 7 bis 10. Sie wurden nicht auf eine Schulart differenziert, sondern sind für alle Schulformen anwendbar. Des Weiteren kann man die Bausteine auch in der Jugendarbeit einsetzen.

Insgesamt stehen 3 Bausteine zur Verfügung. Die Bausteine behandeln die folgenden Schwerpunkte:
  • Baustein 1: grundlegende Merkmale von E-Partizipation, Möglichkeiten und Gefahren des Internet und des Web 2.0
  • Baustein 2: Meinung und Verhalten der Schüler erforschen und reflektieren; welche Themen sind für die Schüler und Schülerinnen interessant? 
  • Baustein 3: geeignete Formen der E-Partizipation werden ausgewählt
Am Ende kann das neue Wissen der Schülerinnen und Schüler in einem Spiel (Tenretni) überprüft werden. Hierzu gibt es Wissensfragen sowie Tabu-Karten.
http://www.bpb.de/lernen/grafstat/partizipation-20/

Donnerstag, 22. Juni 2017

Simpleshow: Erklärvideo oder eLearning

 http://simpleshow.com/de-de/interactive/ - Simpleshow hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt ein kleines bisschen verständlicher zu machen. Die Erklärvideos helfen bei der Vermittlung komplexer Sachverhalte. Es gibt auch die Möglichkeit, interaktive Videos zu gestalten. Hierfür gibt es drei Levels.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Ein wenig Youtube muss sein...


LeFloid- Tagesschau auf Youtube & cool 

Natürlich könnte man an dieser Stelle eine Menge interessanter Kanäle vorstellen (z.B. Kurzgesagt - In a Nutshell, Faktastisch, Backspin und ganz viele mehr). Ich habe mich für den deutschen Youtuber LeFloid entschieden. Er ist einer der erfolgreichsten Deutschlands und schafft es mit seinem Format "LeNews", junge Zuschauer für interessante und wichtige Themen der Welt zu begeistern, auf seine ganz eigene Art und Weise. Schaut ruhig einmal vorbei, ist bestimmt eine gute Möglichkeit, SuS ein wenig Politik zeitkonform und authentisch näherzubringen - Stichwort Medienkompetenz. Kommentiert, liked und subscribed! #YouTubeGamestrongAF

Montag, 12. Juni 2017

Partizipation am Beispiel Hate Speech

Jede und jeder, die oder der im Netz unterwegs ist, kennt es: Hass im Netz. Gehetzt wird gegen Flüchtlinge, Minderheiten oder Personen mit anderen politischen Ansichten. Doch was kann ich dagegen tun? Ignorieren, Kontern oder Melden? Diesem Problem hat sich auch die Webseite Hass im Netz gewidmet, ein Angebot von jugendschutz.net, das unter anderem auch von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird.

Ihre zwei Themengebiete sind "Rechtsextremismus" und "Islamismus". Sie klären auf, was diese Ideologien ausmacht, wie sie das Netz für ihre Zwecke nutzen, und zeigen aktuelle Beispiele. Unter der Rubrik "Was tun!" stellen sie unterschiedliche Möglichkeiten vor, wie man gegen Hass im Netz vorgehen kann. Ein Tool ist beispielsweise das Meldeformular für Hass im Netz. Dabei kann man der Beschwerdestelle verschiedene Internetangebote oder Beiträge melden, die diese dann prüft.

Auch unter dem Reiter Pädagogik finden sich interessante Hinweise und Angebote, die gerade für angehende Lehrende einen Blick wert sind. Hier finden sich praktische Hinweise, um Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren oder sie zu Teilhabe und Mitbestimmung im Netz zu motivieren.

Sonntag, 14. Mai 2017

Partizipation 2.0: Neue Teilhabe für Schülerinnen und Schüler?

“One of the penalties of refusing to participate in politics is that you end up being governed by your inferiors.”
[Platon, Politeia I 347c]
Wo findet sie statt, die vielfach herbeigesehnte Partizipation junger Menschen? Angesichts zahlreicher kaum genutzter Angebote im World Wide Web, bei denen sich Kinder und Jugendliche in ihrem direkten Umfeld beteiligen können, ist es verwunderlich, dass laut aktueller Shell-Studie das aktive Engagement junger Menschen zwischen 12 und 25 sinkt [Vgl. Schneekloth 2015, S. 193].

An altersgerechten Angeboten im Web mangelt es nicht – doch die meisten werden angesichts geringer Nutzerzahlen scheinbar nicht angenommen. Einige Plattformen haben zudem ihren Betrieb eingestellt. Es lässt sich also die Frage stellen, ob der Politikunterricht in all seinen Formen geeignet ist, um Online-Partizipation im didaktisch aufbereiteten Rahmen zu erlernen und einzuüben.

Doch wie lässt sich der Begriff Partizipation eigentlich fassen? Warum sollten die Bürgerinnen und Bürger und damit auch Schülerinnen und Schüler in einer Demokratie partizipieren? Welche Formen gibt es und welche konkreten Projekte lassen sich im Unterricht einbinden? Diesen Fragen möchte der folgende Text nachgehen.

Samstag, 8. April 2017

Debattenkultur im Netz - Öffentlichkeit unter den Bedingungen des Web 2.0 und die Möglichkeiten der (Politik- und Ethik-)Didaktik

Hatte Jürgen Habermas in seiner Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit noch beklagt, dass wirtschaftlich bedingte Kapital- und Machtkonzentrationen die Idee der bürgerlichen Öffentlichkeit zerstörten, da sie die Möglichkeit eines diskursiven Austauschs zwischen Gleichen unterliefen und den Weg für vermehrte einseitige Kommunikation freigaben (vgl. Habermas 1990, 228ff.), so kann man sagen, dass heute – im Zuge der Digitalisierung – die Voraussetzungen dafür gegeben wären, auch ohne riesige Kapitalmengen mit Publikationen viele Rezipient_Innen zu erreichen. Dies könnte die wirtschaftlich bedingten Ungleichheiten wieder ausgleichen und die one- oder a-few-to-many- zu einer many-to-many-Kommunikation verändern.

Heute, unter den Bedingungen des Web 2.0, also der Möglichkeit in einem digitalen Raum in Sekundenschnelle Texte, Videos, Bilder und andere Medieninhalte kostengünstig bis kostenlos zu verbreiten, scheint die Idee der sich selbst wieder in die Öffentlichkeit einbringenden Gesellschaftsmitglieder greifbarer als je zuvor. Denn nie zuvor war es so einfach, günstig und gleichzeitig effektiv, selbsterstelle Inhalte herzustellen und zu teilen, aber auch die erstellten Inhalte anderer zu erhalten. Nie zuvor verschwammen und verschwanden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten, wie unter den Bedingungen des Web 2.0. Axel Bruns nutzt dafür, für die Hybridisierung des Produzenten und Nutzers, den Begriff des Produtzers oder Produsers (vgl. Bruns 2009, 65).

Mit der mittlerweile fast jedem gegebenen Möglichkeit, mit einem Mausklick Öffentlichkeit zu schaffen bzw. sich an (quasi-)öffentlichen Diskussionen und Aushandlungsprozessen zu beteiligen, wären also alle Voraussetzungen geschaffen, um die demokratische Öffentlichkeit so zu verbessern, wie Habermas sie sich idealerweise vorgestellt hat: Als „Ort politischer Diskussionen und Willensbildung“ (Brunkhorst 2006, 124), in dem möglichst keine „Hegemoniebildung“ (ebd.) gegeben ist. Denn jeder kann sich überall informieren, fast überall kritisieren und selbst – ressourcenschonend bzw. nicht ressourcenaufwändig – Inhalte verfassen und dies auch noch kostenlos und schnell. Doch die Realität sieht anders aus.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Nachhaltigkeit, BNE und das Internet: Anregungen für eine ökologisch-zukunftsorientierte Nutzung der Ressourcen des Web 2.0

Die Konsequenzen der Digitalisierung der Lebenswelt des Menschen für die Umwelt sind verheerend: so ist der stromverbrauchgebundene CO2-Ausstoß des Internet größer als der der gesamten Luftfahrtbranche, und mit dem Energieverbrauch für eine Suchanfrage bei Google & Co. brennt eine Energiesparlampe eine Stunde lang.

Dies soll jedoch nicht die Chancen, die das Web (2.0) für eine Entwicklung zu größerer ökologischer Nachhaltigkeit bereithält, überdecken – denn diese sind zahlreich. Dabei möchte ich mit dem Folgenden angehenden LehrerInnen Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit Fragen der Bildung für nachhaltige Entwicklung an die Hand geben.

Bevor der/die LeserIn sich in die Tiefen des Web stürzt, möchte ich gleich noch ein paar ganz praktische Ideen zum Surfen auf den Weg geben. So könnt ihr euch bewusst über co2-neutrale Websites wie jener von Greenpeace informieren (fragt diesbezüglich auch gerne bei den Betreibern nach, denn das erhöht das Bewusstsein für die Problematik), nutzt selbst ökologische Email-Provider wie jenen von posteo oder ‚googelt‘ nicht, sondern nutzt Ecosia zur co2-neutralen Webrecherche - viel Spaß!

Das Web 2.0 als Informationsquelle zu den Themen Ökologie und Umweltbildung

Es gibt im Internet eine unbegrenzte Fülle an Websites von verschiedensten Betreibern, die Informationen zu den unterschiedlichsten Themen mit Schwerpunkt Ökologie/Umweltbildung/Nachhaltigkeit anbieten. Allein deshalb kann die nachfolgende Darstellung nur ausschnitthaften Charakter haben, und zwar dahingehend, wie sich der Autor dieses Blogbeitrags selbst des Web 2.0 zur Information über das Thema bedient (hat).

Wichtig bei der Auswahl fachlicher wie auch später didaktischer Medien ist m.E., dass diese zumindest konstruktiv problematisierend, im Idealfall aber lösungsorientiert ‚geframte‘ Inhalte vermitteln. Das Gegenteil hierzu sind apokalyptische Darstellungen über das Ende ganzer Ökosysteme oder der Menschheit sowie Negativszenarien, die bei der Umweltproblematik Klimawandel fatalistische Unterhaltungsbedürfnisse bedienen.

Doch zunächst einmal ist eine informationelle Grundlegung angebracht. Wer sich mit dem Thema ökologischer Nachhaltigkeit noch sehr unsicher fühlt, kann hierzu lexikalische Websites wie das immer noch aktuelle dadalos-d.org oder das Lexikon der Nachhaltigkeit nutzen. Aber auch die Wikipedia stellt an dieser Stelle selbstverständlich als hilfreiches Nachschlagwerk offen.

Letztlich gilt, wie Ragnar Müller auf dadalos-d.org schreibt, dass „allein die Umweltthematik schon so facettenreich [ist], dass sie sich im Rahmen [nur] eines Online-Lehrbuchs nur lückenhaft skizzieren lässt" – der Leser ist also zur schneeballhaften weiteren Recherche genötigt. Möglichkeiten hierzu bieten die Onlinemedien der Zeitungen, wie z.B. zeit.de/nachhaltigkeit, NGOs wie der BUND Deutschland, NABU, Friends of the Earth oder Greenpeace.

Aber auch bei YouTube findet man hervorragend aufgearbeitete, leicht zugängliche Materialien. Ein wachrüttelndes, ausgesprochen kritisches, aber dennoch informatives Video findet sich hier. Die Website sustainabilityillustrated hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Videos auf Deutsch, Englisch und Französisch auch didaktisch wertvolle Erklärungen zum Themenkomplex Nachhaltigkeit anzubieten.

Eine Ebene tiefer taucht das Umweltbundesamt, welches auch mit anspruchsvolleren technisch-naturwissenschaftlichen Berichten und Studien aufwartet. Das Webportal des Umweltbundesamtes bietet darüber hinaus anwendungsbezogene und fundierte wie sehr lohnenswerte didaktische Ressourcen.

Weitere nationale und internationale Organisationen sind UNEP, UNFCCC, das PIK, … die oftmals in ihren je eigenen Zuständigkeitsbereichen tätig sind. Für Baden-Württemberg bei regionalen und lokalen technischen Umweltfragen ist die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz zuständig.

Schließlich möchte ich einen relativen „Exoten“ hervorheben. Sustainia hat es sich ganz explizit zum Ziel gemacht, eben jene konstruktiven Beiträge zu einer Lösung der Nachhaltigkeitskrise zu fördern und darüber zu informieren. Leider nur auf Englisch vorhanden, sind die Beiträge regelrechte „Hingucker“.

Zuletzt sei darauf hingewiesen, dass viele Akteure der Umweltpolitik durch ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auch in den sozialen Medien zu finden sind und dort über die jüngsten Entwicklungen informieren (z.B. UNEP, UBA, UNFCCC etc.). Einfach liken und du bist stets up-to-date! ;) 

Nachhaltig handeln lernen mithilfe digitaler Medien im „grünen“ Klassenzimmer (schulische und außerschulische Umweltbildung)

„Untersuchungen zufolge konnten bereits Zusammenhänge zwischen Medien und Umweltwissen, Umwelteinstellungen, Umweltbewusstsein und Handlungsbereitschaft von Kindern festgestellt werden (vgl. Gruber-Mannigel et al. 2010). Der Erfolg von Medien hängt – wie zu erwarten ist – zu einem großen Teil von dem pädagogischen Gesamtkonzept ab, in dessen Zusammenhang die digitalen (Geo-)Medien eingesetzt werden.

Neben der Einbettung in das Gesamtkonzept stellen Faktoren wie Lebensweltbezug, Adressatengemäßheit bzw. Zielgruppenorientierung, Komplexitätsreduktion, Anschaulichkeit, Handlungsorientierung, Interaktivität und der für Heranwachsende wichtige Spaßfaktor weitere bedeutsame Kriterien dar, die die Wirksamkeit des Medieneinsatzes und damit auch dessen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung bzw. Umweltbildung beeinflussen (vgl. Peters & Große Ophoff 2009, S. 471; Gruber-Mannigel et al. 2010).

Vor dem Hintergrund der medialen Sozialisation heutiger Kinder und Jugendlicher kommt dem Einsatz digitaler Medien eine zentrale Bedeutung bei der Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen in Bildungskontexten zu.“ (Aus: Michel, Siegmund, Ehlers, Jahn, Bittner: Digitale Medien in der Bildung für nachhaltige Entwicklung - Potenziale und Grenzen, oekom verlag, München, 2013).

Wie die Autoren schreiben, kommt es bei einer gelingenden Vermittlung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in der Schule heute in ganz erheblichem Umfang auf den Einsatz digitaler Medien innerhalb eines pädagogisch stimmigen Gesamtkonzepts an. Folgende Zusammenstellung soll hierfür eine Grundlage bieten, wobei neben innerschulischen Lernorten wie dem Klassenzimmer auch ganz besonders außerschulische Lernorte zu berücksichtigen sind.

Einen umfangreichen, einführenden Beitrag zur Didaktik der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stellt die Material- und Infosammlung der Bundeszentrale für politische Bildung dar. Hier werden besonders politikdidaktische Grundlagen wie der Beutelsbacher Konsens im Zusammenhang mit BNE thematisiert. Außerdem wird etwas umfangreicher die Notwendigkeit einer motivierenden Herangehensweise bei der Vermittlung von Bildung für nachhaltige Entwicklung dargelegt.

BNE Baden-Württemberg bietet ein weitreichendes Angebot an außerschulischen Lernorten, vom Bauernhof über den Wald bis zum Zoo, sowie einigen didaktischen Materialien zum Thema Nachhaltigkeit in der Schule für alle Schulformen. Das Land Rheinland-Pfalz hat gar eine Landesanstalt für Umweltaufklärung geschaffen, die mit einigen interessanten Materialien aufwartet (u.a. gibt es einen Reiter ‚Bienen in der Schule‘, der im Kontext der BNE die Arbeit in Schulimkereien thematisiert und besonders hervorhebt – was einem Imker wie dem Autor natürlich gefällt). Weitere bundesstaatliche Einrichtungen sind das Umweltministerium (BMUB) mit ihrer Website umwelt-im-unterricht.de sowie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Zentrale Anlaufstelle für Fragen besonders der außerschulischen Umweltbildung stellt die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) dar. Von ihr ausgehend findet man im Web ein weites Netz an Einrichtungen wie zum Beispiel die Ökostation Freiburg. Sie bietet unter dem Reiter „Grünes Klassenzimmer“ eine Vielzahl von im Wesentlichen außerschulisch stattfindenden Angeboten für Schulklassen. Eine besonders aktuelle und spannende (und nur bedingt schulische) Thematik des ANU findet sich unter „Umweltbildung mit Flüchtlingen“, außerdem eine Liste sämtlicher Umweltzentren in BW.

Das Web ist außerdem eine Fundgrube für didaktische Materialien, die weitestgehend direkt im Unterricht einsetzbar sind, wie die Videos von PlanetSchule, z.B. „Gefundenes Fressen – Leben vom Abfall“ und besonders die Themenschwerpunkte Klimawandel sowie Bedrohte Meereswelt.

Last but not least stellen auch PC-Games in der BNE ein Potential zum besonders motivierenden, spielgesteuerten Lernen dar. Eine kurze Übersicht über die verschiedenen Arten von PC-Games mit Lerneffekt im Bereich BNE findet sich hier. Beispiele hierfür sind Landyous, Anno 2205 oder das Bildungscent-Spiel des UBA.

Das Web 2.0 als Tool zum persönlichen nachhaltigen Ressourcenmanagement

Zuletzt soll nicht unbeachtet bleiben, dass das Web 2.0 in erheblichem Umfang Raum bietet für den Austausch über einen nachhaltig(er)en Lebensstil – in allen Bereichen des täglichen Lebens: Wohnen, Mobilität, Konsum und Lebensmittel.

Wohnen: Im Netz finden sich zahlreiche CO2-Rechner, z.B. vom Umweltbundesamt. Abgesehen davon bietet das Internet in Kombination mit intelligenten technischen Neuerungen natürlich zahlreiche Möglichkeiten – von der intelligenten Waschmaschine bis hin zu der sich unter dem Begriff „smart grids“ (intelligente Stromnetze) erst entwickelnden integrierten Energiemanagementsystemen. 

Mobilität: Vor allem in Form von verschiedensten Apps zahlreicher Startup- wie auch älterer Unternehmen bietet das Web 2.0 Möglichkeiten, bewusst nachhaltiger unterwegs zu sein. Man denke hier nur an die Unternehmen des ÖPNV, die DB, an Carsharing oder Mitfahrgelegenheiten oder Allrounder wie z.B. memobility.

Konsum: Unter dem Begriff der „sharing economy“ versammeln sich unzählige Initiativen, die etwa ihr Gartengerät, Werkzeug oder sonstige Gegenstände teilen. Und unter gartenpaten.org gibt es gar den ganzen Garten! Des weiteren bietet das Web Anschluss an kommerzielle Anbieter im Bereich eines ökologisch-alternativen Lifestyle und Einblick in das Privatleben von Aktivmenschen vermittels Lifestyle oder Aussteiger-Blogs. Mit dem "nachhaltigen Warenkorb" bietet der Rat für nachhaltige Entwicklung ein stets aktuelles und sehr umfangreiches Informationsportal, auch in App-Form, dar.

Lebensmittel: Schließlich bietet das Web 2.0 im letzten großen Nachhaltigkeitsfeld „Lebensmittel“ Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung einer nachhaltigeren Realität. Über foodsharing können nicht verwendete Lebensmittel doch noch einen Verwendungszweck finden. Ein ähnliches Angebot findet sich beim staatlichen Anbieter "zu gut für die Tonne" in Form einer ansprechenden App. Und die Kommunikation beim Beziehen einer Bio-Kiste vom Bauern erleichtert das Internet genauso, wie es die Besorgung von Lebensmitteln umweltverträglicher gestalten kann – egal ob per Online-Supermarkt oder den Zusammenschluss von Containern/Dumpstern im Netz (Vorsicht! Nicht ganz legal… ).

Sind bei all dem eure Erwartungen doch nicht so recht erfüllt worden oder braucht ihr jetzt einfach mal `ne Pause? Dann entsprecht einfach dem Rat des im vergangenen Jahr verstorbenen Peter Lustig aus eigentlich noch prädigitalen Zeiten, der am Ende seiner Sendung stets dazu einlud: „einfach mal ab(zu)schalten“! – denn (nachhaltig) Leben, das tun wir letztlich immer noch analog! ;)

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Debattenkultur im Netz - Öffentlichkeit unter den Bedingungen des Web 2.0 und die Folgen für die und Möglichkeiten der (Politik- und Ethik-)Didaktik

Hatte Jürgen Habermas in seiner Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit noch beklagt, dass wirtschaftlich bedingte Kapital- und Machtkonzentrationen die Idee der bürgerlichen Öffentlichkeit zerstörten, da sie die Möglichkeit eines diskursiven Austauschs zwischen Gleichen unterliefen und den Weg für vermehrte einseitige Kommunikation freigaben (vgl. Habermas 1990, 228ff.), so kann man sagen, dass heute – im Zuge der Digitalisierung – die Voraussetzungen dafür gegeben wären, auch ohne riesige Kapitalmengen mit Publikationen viele Rezipient_Innen zu erreichen. Dies könnte die wirtschaftlich bedingten Ungleichheiten wieder ausgleichen und die one- oder a-few-to-many- zu einer many-to-many-Kommunikation verändern.

Diese Idee, Medien zu nutzen, um der breiten Masse wieder den Zugang zur Öffentlichkeit zu ermöglichen, ist nicht neu. Bereits Berthold Brecht formulierte in einer seiner theoretischen Schriften – Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks (1932/2008) – dass „[d]er Rundfunk […] aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln [ist]“ (Brecht 1932/2008, 260). So könnte man „die Entscheidungen und Produktionen des Publikums in die Öffentlichkeit leiten“ (ebd., 263), um deren Meinung(en) so dem öffentlichen Diskurs zuzuführen. Ganz so, wie Brecht sich dies dachte, ist es nicht eingetreten. Dies sah er aber auch selbst, wenn er seine Idee als „utopisch“ (ebd.) klassifizierte.

Hans Magnus Enzensberger (1970/2008) hatte gut 40 Jahre später eine ähnliche Idee. Er postulierte, dass die elektronischen Medien, die die Kritische Theorie noch als ein Hauptorgan der „Bewußtseins-Industrie“ (Enzensberger 1970/2008, 266) brandmarkten, eben nicht nur dazu genutzt werden könnten, bestehende gesellschaftliche Verhältnisse zu erhärten. Vielmehr waren die – damals – neuen Medien „ihrer Struktur nach egalitär. Durch einen einfachen Schaltvorgang kann jeder an ihnen teilnehmen; die Programme sind immateriell und beliebig reproduzierbar“ (ebd., 272). Das heißt, sie konnten theoretisch genutzt werden, um auch ökonomisch schwächeren Personengruppen eine Stimme zu verleihen – einfach, weil man mit relativ kleinem Kapitaleinsatz hohe Reichweiten erzielen und Einfluss üben konnte.

Heute, unter den Bedingungen des Web 2.0, also der Möglichkeit, in einem digitalen Raum in Sekundenschnelle Texte, Videos, Bilder und andere Medieninhalte kostengünstig bis kostenlos zu verbreiten, scheint die Idee der sich selbst wieder in die Öffentlichkeit einbringenden Gesellschaftsmitglieder greifbarer als je zuvor. Denn nie zuvor war es so einfach, günstig und gleichzeitig effektiv, selbsterstelle Inhalte herzustellen und zu teilen, aber auch die erstellten Inhalte anderer zu erhalten. Nie zuvor verschwammen und verschwanden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten, wie unter den Bedingungen des Web 2.0. Axel Bruns nutzt dafür, für die Hybridisierung des Produzenten und Nutzers, den Begriff des Produtzers oder Produsers (vgl. Bruns 2009, 1).

Mit dieser mittlerweile fast jedem gegebenen Möglichkeit, mit einem Mausklick Öffentlichkeit zu schaffen bzw. sich an (quasi-)öffentlichen Diskussionen und Aushandlungsprozessen zu beteiligen, wären also alle Voraussetzungen geschaffen, um die demokratische Öffentlichkeit so zu verbessern, wie Habermas sie sich idealerweise vorgestellt hat: als „Ort politischer Diskussionen und Willensbildung“ (Brunkhorst 2006, 124), in dem möglichst keine „Hegemoniebildung“ (ebd.) gegeben ist. Denn jeder kann sich überall informieren, fast überall kritisieren und selbst Inhalte verfassen – und dies auch noch kostenlos und schnell.

Doch die Realität sieht anders aus. Schaut man sich Diskussionen im Netz an – sei es in Foren, in der Kommentarsektion, in Chats oder anderen Formen medialer Kommunikation – merkt man schnell, dass politische Ideologisierungen und sozialpsychologische Phänomene selbige überformen. Allzu schnell werden politische Kampfbegriffe, die sachliche Diskussionen erschweren, ausgetauscht und ein Rückzug in meinungskonforme Bereiche angetreten, um sich dort im wohligen Gefühl der kognitiven Resonanz zu wiegen. Diese Prozesse führen die Möglichkeiten, die die digitalen Medien bereiten, um den öffentlich-demokratischen Prozess zu verbessern, ad absurdum, da sie statt einem öffentlichem Austausch zum Ziele des Findens des personenirrelevanten Wahren und Richtigen dazu führen, dass Personen ihre Welt- und Selbstsicht verabsolutieren und – durch selektive Medienauswahl – in ihrer Verabsolutierungstendenz noch bestärkt werden.

Um dennoch einen freien demokratischen Willensbildungs- und reflektierten Entscheidungsfindungsprozess zu ermöglichen und da eine Gesellschaft auch immer darauf bedacht sein muss, sich selbst zu reproduzieren, ist zu fragen, ob und wenn ja, was gegen diese Entwicklung unternommen werden kann. Denn wenn es der Kern eines demokratischen Systems ist, eine funktionierende – und das heißt diskursfähige – Öffentlichkeit zu haben, so ist zu fragen, wie diese (wieder) hervorgebracht bzw. sichergestellt werden kann, damit sie weiter als demokratische Gesellschaft besteht – vor allem auch unter den Bedingungen des Web 2.0.

Eine der wichtigsten Möglichkeiten, gesellschaftliche Verhältnisse zu reproduzieren, stellt dabei die Erziehung dar (vgl. Gudjons 2012, 205). Denn dort bekommen die Individuen durch Interaktion mit und in Institutionen die Werte und Normen der jeweiligen Gesellschaft bis zu einem gewissen Grade introjiziert mit dem Ziel, dass sie sie internalisieren (vgl. ebd.).

Da Schule wie die Gesellschaft auch funktionell differenziert ist, kommen verschiedenen Fächern dabei verschiedene Erziehungsziele zu. Der Politikunterricht oder wie seine Pendants in den jeweiligen Bundesländern auch heißen mögen, ist dabei dafür da, die Schülerinnen und Schülern für das politische System der Bundesrepublik Deutschland bereit zu machen. Dazu gehört auch, dass sie Diskussionen führen können und an öffentlichen Diskursen teilnehmen können. Kurzum: sie sollen durch den Unterricht befähigt werden, verschiedenste Bereiche des politischen Lebens begreifen, reflektieren und weiterdenken zu können. Dies soll sie in den jeweiligen Handlungsbereichen handlungsfähig machen.

Andere Fächer, wie Ethik oder wie dessen Pendants in den einzelnen Bundesländern auch immer heißen mögen (vgl. Thyen 2015), haben ebenfalls das Ziel, die Schülerinnen und Schüler reflexions- und vor allem diskursfähig zu machen. Beide sollen also unter anderem dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, öffentliche Diskurse führen zu können.

Mit Hinblick auf die aktuelle mediale Situation muss man deshalb fragen, was (Politik- oder Ethik-)Unterricht leisten kann, um Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, das Medienmögliche – zumindest in politischer Sicht – reflektiert zu nutzen. Gibt es didaktische Vorschläge, wie man bei Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen stärkt bzw. stärken kann, die für das Teilnehmen an demokratischen öffentlichen Diskursen notwendig sind?

In der geplanten Arbeit soll eine Antwort auf die letztgestellten Fragen gesucht werden. Dafür soll zunächst in einem ersten Teil eine kurze Abhandlung über den Begriff der Öffentlichkeit und seine demokratietheoretische Bedeutung vorangestellt werden. Dann soll versucht werden, die aktuelle Entwicklung der Debattenkultur im Netz darzustellen – vor allem in sozialen Netzwerken. Das dort beobachtbare Verhalten soll vor allem mit sozialpsychologischen Modellen erfasst und erklärt werden. Denn sozialpsychologische Phänomene sind nicht nur im Hinblick auf ihre Entstehung gut erforscht, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Möglichkeiten, die es gibt, ihnen zu entgegnen.

Dies hängt zusammen mit dem dritten Schritt, in dem es um die Frage geht, wie man aus Sicht der (Politik- und Ethik-)Didaktik und des durch sie angeleiteten (Politik- und Ethik-)Unterrichts dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler in ihren Kompetenzen zu schulen, die notwendig sind, um am öffentlichen Meinungsbildungsprozess im Internet konstruktiv mitzuwirken. Alles mit dem langfristigen Ziel, die Debattenkultur im Netz insgesamt zu verbessern oder zumindest einen Teil zur Verbesserung beizutragen.

Oder um es realistischer und demütiger auszudrücken: Es soll untersucht werden, inwiefern (Politik- und Ethik-)Unterricht etwas dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, am digitalen Diskurs konstruktiv teilzunehmen - mit der Hoffnung, dass bei einer flächendeckenden Umsetzung der vorgestellten Ideen der digitale Diskurs und die digitale Öffentlichkeit davon profitieren würden.
Literatur
Brecht, Berthold (1932/2008): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Claus Pias et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgebenden Theorien von Brecht bis Baudrillard. München: Deutsche Verlags-Anstalt. 6. Auflage. S. 259 - 263.
Brunkhorst, Hauke (2006): Habermas. Stuttgart: Reclam.
Bruns, Axel (2009): Vom Prosumenten zum Produtzer. In: Blättel-Mink, Birgit / Hellmann, Kai-Uwe (Hrsg.): Prosumer Revisited: Zur Aktualität einer Debatte. Wiesbaden. S. 191–205. Online-Quelle: http://snurb.info/files/Vom%20Prosumenten%20zum%20Produtzer%20(final).pdf (Stand: 21.12.2016).
Enzensberger, Hans Magnus (1970/2008): Baukasten zu einer Theorie der Medien. In: Claus Pias et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgebenden Theorien von Brecht bis Baudrillard. München: Deutsche Verlags-Anstalt. 6. Auflage. S. 264 - 278.
Gudjons, Herbert (2012): Pädagogisches Grundwissen: Überblick - Kompendium - Studienbuch. Stuttgart: UTB GmbH. 11. Auflage.
Habermas, Jürgen (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp Verlag.
Thyen, Anke (2015): Ethikunterricht. In: WiReLex – Wissenschaftlich-Religionspädagogisches Lexikon im Internet. Hg. von Mirjam Zimmermann/Heike Lindner. 2015 Online-Quelle: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/100092/ (Stand: 21.12.2016).

Partizipation Jugendlicher im Web 2.0

Darum geht es

Gesellschaftliche und insbesondere politische Partizipation ist einer der Grundpfeiler für ein funktionierendes, politisches System. Neben dem wohl bekanntesten Mittel zur Beteiligung in einer repräsentativen Demokratie – der Wahl – gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, sich selbst in verschiedenste Prozesse einzubringen. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, diese Optionen zum Beispiel im Politikunterricht kennenzulernen.

Verschiedene Beteiligungsformen

Dabei sind die Jugendlichen (und natürlich auch Erwachsenen) heute aber nicht mehr nur auf ‚analoge’ Partizipationsformen beschränkt: das Web 2.0 macht möglich, dass etwa Petitionen schon mit wenigen Klicks unterschrieben oder Blogs in kürzester Zeit erstellt werden können. Diese Freiheit erfordert sowohl ein gewisses Maß an Medienkompetenz, als auch das Wissen darüber, wie wirksam einzelne Partizipationsmaßnahmen sein können. Sigrid Baringshorst stellt die Handlungsformen im Internet in Form einer hierarchischen Pyramide dar, an deren Fuß zuschauende, lesende und zuhörende Akteure stehen und die den kreativen Produser (also die Mischung aus Produzent und User) an der Spitze sieht (Vgl. [1]). Dieser Begriff wurde wohl erstmals von Axel Bruns geprägt (Vgl. [2]) und stellt den wahrscheinlich aktivsten Internetnutzer im Sinne der Partizipation dar.

Projekte und Organisationen

Mit der Popularität des Web 2.0 kamen im Laufe der Zeit verschiedene Projekte auf, die auch von namhaften Organisationen und Trägern – etwa der Bundesrepublik Deutschland oder der Europäischen Union – aufgebaut und unterstützt wurden. Dabei werden unterschiedliche Ziele verfolgt und der Fokus der Projekte jeweils anders gesetzt. Außerdem scheint die Resonanz, die bei den Jugendlichen ausgelöst werden sollte, deutlich geringer auszufallen als erwartet. Zum Teil werden deshalb zumindest bestimmte Teilbereiche der Angebote kaum noch genutzt. Im Folgenden soll eine im Seminar erarbeitete Übersicht dazu dienen, für mehr Klarheit zu sorgen:

Übersicht über vier große Partizipationsprojekte für Jugendliche im Internet.
Die Tabelle erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität.

Links zu den Projekten:

[1] Baringhorst, S. (2014): Internet und Protest. Zum Wandel von Organisationsformen und Handlungsrepertoires - Ein Überblick, in: Voss, K. (Hrsg.), Internet und Partizipation. Bottom-up oder Top-down? Politische Beteiligungsmöglichkeiten im Internet. Springer Fachmedien, Wiesbaden. S.105
[2] Bruns, A. (2007): Produsage – A Working Definition. [Online] http://produsage.org/node/9 [Abgerufen am 20.Dezember.2016].

Montag, 5. Dezember 2016

Debatte über Social Bots und Fake News

Das Brexit-Referendum und der Wahlkampf Donald Trumps haben auf Phänomene wie Social Bots und Fake News aufmerksam gemacht. Zwischenzeitlich sind einige Beiträge erschienen, die Orientierungswissen in dieser Debatte bieten. Eine Auswahl:
  • Simon Hegelich: Invasion der Meinungs-Roboter, Konrad-Adenauer-Stiftung: Analysen & Argumente, Ausgabe 221, September 2016 (Link, pdf)
  • Adrian Lobe: Gefährden Meinungsroboter die Demokratie?, Spektrum (Link)
  • Sascha Lobo: Wie soziale Medien Wahlen beeinflussen, Spiegel Online (Link)
  • Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen - eine Begriffsklärung, Netzpolitik.org (Link
  • Gregor Weichbrodt: Bots unter Generalverdacht, Krautreporter (Link)

Sonntag, 31. Juli 2016

Blog zum Populismus

Screenshot des neuen Blogs zum Thema Populismus
Seit einigen Wochen arbeite ich an einem Blog zum Thema (Rechts-)Populismus, der ab dem kommenden Wintersemester eine Lehrveranstaltung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg begleiten wird. Überschneidungen mit der thematischen Ausrichtung des vorliegenden Blogs gibt es viele: Zum einen zählt der Populismus zu den zentralen Herausforderungen für die politische Bildung, zum anderen spielen die Sozialen Medien eine wichtige Rolle für Populisten. Zu denken wäre etwa an die Nutzung Twitters durch Donald Trump. Schauen Sie doch einmal vorbei: http://populismus-seminar.blogspot.de/

Sonntag, 31. Mai 2015

Filme zur politischen Bildung als OER

Die Medienagentur edeos - digital education hat sich auf die Bereiche Politik, Globales Lernen und Umweltbildung spezialisiert und zu vielen einschlägigen Themen hervorragende Erklärfilme erstellt, die an dieser Stelle auch immer wieder vorgestellt wurden. Die Agentur hat sich nun entschieden, sämtliche Medien (Filme, Infografiken, Skripte und Unterrichtsmaterialien), die in geförderten Projekten wie "WissensWerte" oder "poliWHAT"entstanden sind, unter eine Creative Commons BY-SA 3.0 Lizenz zu stellen (kostenfreie Nutzung, Weitergabe und Bearbeitung) und auf ihrer Webseite zum einfachen Download zur Verfügung zu stellen: http://edeos.org/downloads/. Ziel ist, die Nutzung der Medien weiter zu vereinfachen und einen Beitrag zur Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger freier Bildungsmaterialien (OER) zu leisten. Ein Beispiel unter vielen:

Samstag, 16. Mai 2015

Soeben erschienen: Bürgerhandbuch

Kaum war Recherche 2.0, das Buch zur Internetrecherche, Ende 2013 auf dem Markt, habe ich mich auf Einladung von Prof. Dr. Paul Ackermann und dem Wochenschau Verlag daran gemacht, das Bürgerhandbuch zusammen mit Prof. Ackermann für eine neue Auflage zu überarbeiten. Es ging darum, Aspekte wie Europäisierung, Globalisierung und Digitalisierung zu ergänzen sowie die übrigen Kapitel zu den Beteiligungsmöglichkeiten auf den verschiedenen Ebenen des deutschen politischen Systems zu aktualisieren. Das Ergebnis ist nun erschienen:

Die vollständig überarbeitete und erweiterte 4. Auflage bietet Basisinformationen und 99 Praxis-Tipps, um sich politisch zu beteiligen und einzumischen. Das Buch besteht aus den folgenden 14 Bausteinen:
  • Vom Staatsbürger zum Weltbürger: Bürgerrollen im 21. Jahrhundert
  • Deutsche und europäische Demokratie – ein Mehrebenensystem für Bürgerbeteiligung
  • Sich Informationen beschaffen: Zeitung – Fernsehen – Google – Blogs
  • Die Meinungsbildung beeinflussen, an die Öffentlichkeit gehen
  • Durch Wahlen mitbestimmen: Kernstück jeder Demokratie
  • Abstimmungen: An Sachentscheidungen mitwirken
  • Parteien: An der politischen Willensbildung mitwirken
  • Vereine und Verbände: Gesellschaftliche Aufgaben und Interessen wahrnehmen
  • Von lokalen Bürgerinitiativen zu globalen NGOs: Sich für sich und andere einsetzen
  • Extremismus: Gefahren für die Demokratie erkennen und bekämpfen
  • Mit Verwaltungsbehörden umgehen: Bürger und Bürokratie als Partner
  • Sich an Planungen beteiligen: Formen der Bürgermitwirkung
  • Bürgerhaushalt: Können Bürger bei der Finanzplanung mitentscheiden?
  • Bürger als Verbraucher im Weltmarkt: Durch bewussten Konsum Nachhaltigkeit fördern
Jeder Baustein enthält neben einer Kurzeinführung die wichtigsten Grundinformationen, die durch Schaubilder, Fotos, Tabellen und Grafiken illustriert werden. Zudem finden Leserinnen und Leser wichtige Gesetzestexte, Originaltexte und Auszüge aus einschlägigen wissenschaftlichen Texten sowie auf den Marginalienspalten provokante Zitate zur jeweiligen Thematik.

Jedes Kapitel gibt Tipps zum Tun – insgesamt 99 an der Zahl. Durch Querverweise, Inhalts- und Stichwortverzeichnis werden sie sehr flexibel handhabbar und so zum regelrechten Handwerkszeug politischer Beteiligung. Literaturhinweise, Links und Surftipps machen Lust auf mehr.

Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten als Staatsbürger, EU-Bürger, Weltbürger, Wirtschaftsbürger und Netzbürger!

Sonntag, 15. März 2015

APuZ: Big Data

Die aktuelle Ausgabe (APuZ 11-12/2015) der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de) befasst sich mit Big Data und enthält eine Reihe äußerst lesenswerter Aufsätze, allen voran einen Beitrag von Viktor Mayer-Schönberger, "Internet-Professor" in Oxford, mit dem Titel: "Was ist Big Data? Zur Beschleunigung des menschlichen Erkenntnisprozesses":
"Big Data ist also weniger eine neue Technologie denn eine neue oder jedenfalls signifikant verbesserte Methode der Erkenntnisgewinnung. Mit Big Data verbindet sich die Hoffnung, dass wir die Welt besser verstehen – und abgeleitet von diesem Verständnis bessere Entscheidungen treffen." (S. 14)
Mit eindrücklichen Beispielen schafft es der Autor, auf wenigen Seiten die wesentlichen Chancen und Risiken von Big Data zu verdeutlichen.

Insgesamt umfasst die Ausgabe die folgenden Aufsätze:

Samstag, 19. Juli 2014

Aktuelle Debatten: Google-Urteil und Facebook-Experiment

Gegenwärtig beherrschen zwei Debatten die Schlagzeilen rund um das Web (2.0). Beide sind von grundsätzlicher Bedeutung für die netzpolitische Diskussion. Zum einen geht es um das Urteil des Gerichtshofs der EU zu Google und dem "Recht auf Vergessen". Die andere Debatte betrifft Facebook und das Experiment, das dort mit (unwissenden) Nutzern durchgeführt wurde. Zu beiden Debatten habe ich im Blog, der meine Lehrveranstaltungen an der PH Ludwigsburg begleitet, Listen mit wichtigen Quellen und ersten Einschätzungen veröffentlicht:

Samstag, 21. Juni 2014

Studie zur Online-Partizipation

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) hat eine umfangreiche Studie zur Online-Partizipation unter dem Titel «Online mitmachen und gestalten» veröffentlicht. Gefragt wird,
  • wer sich im Netz beteiligt,
  • woran Nutzer besonders interessiert sind,
  • was Nutzer reizt, sich einzubringen.
In einer Pressemitteilung des HIIG heißt es:
"Die Studie untersucht das Potenzial des Netzes, Demokratie zu stärken und liefert Ergebnisse beispielsweise zur großen Beteiligung beim Erstellen und Mitzeichnen von Online-Petitionen. Während sich ein umfassendes Bild über das Partizipationsverhalten deutscher Internetnutzer ergibt, leiten die Verfasser auch direkte Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft ab. Die Ergebnisse beruhen auf einem für die Online-Bevölkerung in Deutschland repräsentativem Panel von TNS Infratest."
Die Partizipationstudie 2014 ist unter www.hiig.de/partizipationsstudie2014 abrufbar. Ein Blog-Posting des Instituts fasst wichtige Ergebnisse zusammen: "Online mitmachen und entscheiden - die Partizipationsstudie 2014".

Freitag, 20. Juni 2014

Crowdfunding: Dossier der bpb

Durch den spektakulären Erfolg der Krautreporter ist Crowdfunding momentan in aller Munde. Die Bundeszentale für politische Bildung hat (im Rahmen des Akquisos-Newsletters 2/2014) ein Dossier zum Thema mit weiterführenden Literatur- und Linkempfehlungen erstellt: "Crowdfunding - ein Instrument für die politische Bildung?".