Donnerstag, 23. März 2017

Propaganda im Namen des Propheten - Radikalisierung junger Menschen im Internet

„Islamistische Terroristen, darunter minderjährige Salafisten und radikalisierte Flüchtlinge, verübten eine ganze Reihe von Anschlägen. In Hannover, in Essen, Würzburg, Ansbach und auf dem Berliner Breitscheidplatz. Und in Chemnitz wurde wohl gerade noch rechtzeitig ein Bombenanschlag eines syrischen IS-Anhängers verhindert. Der Terroralarm, so sagen viele Ermittler, ist inzwischen so etwas wie der neue Normalzustand.“ (Bewarder 2017)
Terrorwarnungen, Anschlagsdrohungen, geräumte Einkaufszentren oder Bahnhöfe - der Terror ist angekommen, mitten in Deutschland.

Im Moment wird sehr viel gesprochen über Terror, über Gefahr und über die Menschen, die diese Gefahr verbreiten. Dabei sind es vor allem junge Leute, die sich radikalisieren lassen, aus Überzeugung Menschen töten und bereit sind, selbst dafür zu sterben. Aber was muss passieren, dass man derartig abdriftet? Wieso entscheidet man sich gegen ein Leben in Frieden mit Familie und Freunden und sucht stattdessen voller Hass den Weg in den Krieg? Ich möchte herausfinden, wieso und wie schnell so etwas passieren kann, derart radikalisiert zu werden, welche Methoden dabei verwendet werden und welche Rolle das Web 2.0 dabei spielt. Und noch viel wichtiger: Wie kommt man da dann eigentlich wieder raus?

Montag, 13. März 2017

Sicherheit und Freiheit im Kontext der Digitalisierung

Freiheit und Sicherheit sind zentrale Werte in modernen Gesellschaften. Zwischen beiden Begriffen existieren wechselseitige Beziehungen, die auch im Kontext der Nutzung digitaler Medien durch Staaten, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger sichtbar werden. Durch die Digitalisierung haben sich nicht nur neue technische Möglichkeiten ergeben, wie die Möglichkeit der Publikation durch Jedermann oder die Sammlung und Auswertung gigantischer Datenmengen. Mit diesen neuen Möglichkeiten gehen auch neue Fragen nach dem Schutz individueller Freiheiten vor einer Vielzahl möglicher Überwachungstechniken einher, gleichzeitig aber auch nach der Herstellung von Sicherheit in digitalen Räumen.

Der folgende Beitrag konzentriert sich vorwiegend auf dieses Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit vor dem Hintergrund der Digitalisierung. Dazu werden zunächst die Begriffe Sicherheit und Freiheit genauer beleuchtet, um anschließend die allgemeine Wechselbeziehung darzustellen. Anschließend soll anhand von verschiedenen Beispielen diskutiert werden, wie in einer digitalisierten und technisierten Welt bürgerliche Freiheiten, der Schutz der Privatsphäre und das Bedürfnis nach Sicherheit vereinbar sind und welche Wechselbeziehungen dabei zutagetreten.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Der tiefe Fall der Enthüllungsplattform WikiLeaks

Noch vor einigen Jahren wurde WikiLeaks von vielen als "Held" gefeiert. Dies hat sich im Verlauf der Jahre allerdings geändert. Mögliche Gründe dafür wollen wir hier in Kürze erläutern. 

Allgemein ist WikiLeaks eine Enthüllungsplattform, die geheime Berichte veröffentlicht. Dabei wird vorausgesetzt, dass diese Berichte für die Weltgesellschaft von Interesse sind. Beispielsweise wurden im Jahr 2010 Dokumente aus dem Bestand des amerikanischen Außenministeriums veröffentlicht. Diese spiegelten die amerikanische Sichtweise auf die Welt und einzelne Regierungsmitglieder anderer Länder wider.

Auf dem Spiegel-Cover der Ausgabe 48/2010 wurden einige Aussagen zitiert: So meide Angela Merkel das Risiko und sei selten kreativ, Silvio Berlusconi dagegen sei bekannt für seine wilden Partys und Mahmoud Ahmadinejad wird mit Hitler verglichen.

Um die Entstehung und Entwicklung von WikiLeaks nachzuvollziehen, empfehlen wir den Blogbeitrag einer Kommilitonin.

WikiLeaks bringt Unschuldige in Gefahr 
WikiLeaks steht in der Kritik, weil in den veröffentlichten Dokumenten sensible Daten hunderter Menschen zu finden sind. Dabei handelt es sich beispielsweise um vertrauliche Patientendaten unbeteiligter Bürger oder Auskunft über deren finanzielle Situation. Ebenso wurden Informationen aus Arbeitsverträgen und Hochschulunterlagen veröffentlicht. Gefährlich wird es dann, wenn diese persönlichen Daten Stalkern, Erpressern oder Identitätsdieben in die Hände fallen. 

WikiLeaks bricht sein Versprechen
Obwohl den Whistleblowern Anonymität versprochen wird, kamen schon viele Namen an die Öffentlichkeit. Ein Beispiel dafür ist Chelsea Manning, ehemals Bradley Manning (als Mann geboren), dem von Ex-Präsident Obama kürzlich Strafnachlass gewährt wurde. 

WikiLeaks beeinflusst US-Wahlkampf
Durch die letztjährige Veröffentlichung einer Serie von Mails des "Democratic National Committees" der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihrem Wahlleiter John Podesta wird WikiLeaks Instrumentalisierung vorgeworfen. Besonders der Zeitpunkt der Veröffentlichung (Oktober 2016) unterstützt diesen Vorwurf, da ihr Rivale Donald Trump zeitgleich, aufgrund eines Skandalvideos, massiv in der Kritik stand.

Montag, 30. Januar 2017

Wikipedia - eine zuverlässige Quelle?

Tagtäglich nutzen wir die Wikipedia. Wenige Klicks und alles ist erklärt. Geklärt ist damit aber noch lange nichts. Wer steckt hinter der Wikipedia? Was ist die Idee dieses Projekts? Zeit, einen Blick hinter die Fassade von Wikipedia zu werfen, die mehr zu sein scheint als ein bloßes Nachschlagewerk im Internet. 

Allgemeine Informationen

Gegründet wurde Wikipedia am 15. Januar 2001 u.a. von Jimmy Wales, einem US-Amerikaner. Wikipedia war nicht sein erstes Projekt in dieser Richtung, aber das mit Abstand erfolgreichste. Binnen weniger Jahre etablierte sich die Online-Enzyklopädie im Alltag vieler Menschen. Das Erfolgsrezept: Jeder kann an den Artikeln mitarbeiten und neue Themen beschreiben. So sammelt die Wikipedia das Wissen von Vielen, macht es in 291 Sprachversionen mit insgesamt rund 35 Millionen Artikeln kostenlos und öffentlich verfügbar. Wichtige Ereignisse finden meist noch am selben Tag ihren Eintrag in die Wikipedia. Mit dieser hohen Aktualität kann kein gedrucktes Nachschlagewerk mithalten. Ein weiterer Vorteil eines Online-Nachschlagewerks ist das Einfügen von Links, die direkt zu anderen Einträgen weiterleiten. So werden jeden Tag neue Artikel in der Wikipedia veröffentlicht und Wikipedia ist nunmehr nur eines unter vielen Projekten der Wikimedia Foundation. Wikipedias zentrale Grundprinzipien (Neutralität, freie Inhalte, keine persönlichen Angriffe und das Festhalten an der Enzyklopädie) sollen dazu beitragen, dass die Artikel möglichst geringer Einflussnahme ausgesetzt sind.

Herausforderungen für die Wikipedia

Damit die Wikipedia ein Erfolgsrezept bleibt, gilt es zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Speziell bei der deutschsprachigen Wikipedia gibt es einen Autorenschwund. Lediglich 15% der Autoren schreiben im ersten Jahr mehr als einen Artikel. Es fällt der Online-Enzyklopädie schwer, Autoren dauerhaft zu binden. Diese sind in der deutschsprachigen Ausgabe auch recht homogen. Der Frauenanteil liegt bei gerade einmal 9 bis 16%. Ebenso sinken die Nutzerzahlen der Wikipedia-Seite. Denn Sprachassistenten auf dem Smartphone oder die von Google eingeblendeten Informationskästen erlauben dem Nutzer Informationen aus der Wikipedia zu beziehen, ohne direkt auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel klicken zu müssen. Konkurrenz für die Autoren kommt auch aus den eigenen Reihen. Bei der schwedischen und niederländischen Wikipedia schreiben bereits Computerprogramme eigenständig Artikel – sogenannte bots-generierte Artikel. Noch schreiben sie dabei nur über Käfer und Seen. Doch vielleicht verfügen sie in Zukunft über noch mehr Fähigkeiten und sind in der Lage, gezielt Einfluss zu nehmen.

Tipps zur Prüfung von Wikipedia-Einträgen

Obwohl die deutsche Wikipedia über eine starke und effektive Struktur verfügt Artikel vor negativen Einflüssen zu schützen, und die vier Grundprinzipien der Wikipedia klare Vorgaben zum Inhalt eines Artikels geben, kann es dennoch zu Vandalismus und Manipulationen kommen. Auch die sogenannten Edit-Wars tauchen bei kontroversen Themen auf. Daher ist es ratsam, Artikel nochmal gesondert auf Zuverlässigkeit zu prüfen:
  • Zunächst kann man den Artikelnamen bei Wikibu eingeben und ihn auf erste Auffälligkeiten überprüfen. Auf der linken Seite wird eine Punktevergabe angezeigt und eventuelle Unstimmigkeiten, die herausstechen.
  • Man kann sich in dieser linken Spalte außerdem die Versionsgeschichte anzeigen lassen, um sich einen Überblick zu verschaffen, wieviel und was genau an dem Artikel verändert wurde. Neben der Entstehung des Artikels kann man hier beim Vergleich älterer Versionen genau nachvollziehen, ob die Änderungen berechtigt waren oder nicht, da die entsprechenden Änderungen gekennzeichnet werden.
  • Sollte man in der Versionsgeschichte auf sehr häufige Änderungen und darauffolgende Rückänderungen stoßen, ist es ratsam, sich die Diskussionseite zum Artikel genauer anzuschauen, da Argumente und Gründe für Änderungen hier diskutiert werden. Am Tonfall der Diskussion lässt sich auch ermitteln, wie sachlich die Diskussion verlaufen ist.
  • Möchte man noch gründlicher die Zuverlässiglkeit von Wikipedia prüfen, kann man die Quellenangaben im Artikel genauer unter die Lupe nehmen, um zu prüfen, ob sie relevant sind und richtig zitiert wurde.

Verfasst von Anselm Gross und Christina Ramirez

Donnerstag, 5. Januar 2017

Nachhaltigkeit, BNE und das Internet: Anregungen für eine ökologisch-zukunftsorientierte Nutzung der Ressourcen des Web 2.0

Die Konsequenzen der Digitalisierung der Lebenswelt des Menschen für die Umwelt sind verheerend: so ist der stromverbrauchgebundene CO2-Ausstoß des Internet größer als der der gesamten Luftfahrtbranche, und mit dem Energieverbrauch für eine Suchanfrage bei Google & Co. brennt eine Energiesparlampe eine Stunde lang.

Dies soll jedoch nicht die Chancen, die das Web (2.0) für eine Entwicklung zu größerer ökologischer Nachhaltigkeit bereithält, überdecken – denn diese sind zahlreich. Dabei möchte ich mit dem Folgenden angehenden LehrerInnen Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit Fragen der Bildung für nachhaltige Entwicklung an die Hand geben.

Bevor der/die LeserIn sich in die Tiefen des Web stürzt, möchte ich gleich noch ein paar ganz praktische Ideen zum Surfen auf den Weg geben. So könnt ihr euch bewusst über co2-neutrale Websites wie jener von Greenpeace informieren (fragt diesbezüglich auch gerne bei den Betreibern nach, denn das erhöht das Bewusstsein für die Problematik), nutzt selbst ökologische Email-Provider wie jenen von posteo oder ‚googelt‘ nicht, sondern nutzt Ecosia zur co2-neutralen Webrecherche - viel Spaß!

Das Web 2.0 als Informationsquelle zu den Themen Ökologie und Umweltbildung

Es gibt im Internet eine unbegrenzte Fülle an Websites von verschiedensten Betreibern, die Informationen zu den unterschiedlichsten Themen mit Schwerpunkt Ökologie/Umweltbildung/Nachhaltigkeit anbieten. Allein deshalb kann die nachfolgende Darstellung nur ausschnitthaften Charakter haben, und zwar dahingehend, wie sich der Autor dieses Blogbeitrags selbst des Web 2.0 zur Information über das Thema bedient (hat).

Wichtig bei der Auswahl fachlicher wie auch später didaktischer Medien ist m.E., dass diese zumindest konstruktiv problematisierend, im Idealfall aber lösungsorientiert ‚geframte‘ Inhalte vermitteln. Das Gegenteil hierzu sind apokalyptische Darstellungen über das Ende ganzer Ökosysteme oder der Menschheit sowie Negativszenarien, die bei der Umweltproblematik Klimawandel fatalistische Unterhaltungsbedürfnisse bedienen.

Doch zunächst einmal ist eine informationelle Grundlegung angebracht. Wer sich mit dem Thema ökologischer Nachhaltigkeit noch sehr unsicher fühlt, kann hierzu lexikalische Websites wie das immer noch aktuelle dadalos-d.org oder das Lexikon der Nachhaltigkeit nutzen. Aber auch die Wikipedia stellt an dieser Stelle selbstverständlich als hilfreiches Nachschlagwerk offen.

Letztlich gilt, wie Ragnar Müller auf dadalos-d.org schreibt, dass „allein die Umweltthematik schon so facettenreich [ist], dass sie sich im Rahmen [nur] eines Online-Lehrbuchs nur lückenhaft skizzieren lässt" – der Leser ist also zur schneeballhaften weiteren Recherche genötigt. Möglichkeiten hierzu bieten die Onlinemedien der Zeitungen, wie z.B. zeit.de/nachhaltigkeit, NGOs wie der BUND Deutschland, NABU, Friends of the Earth oder Greenpeace.

Aber auch bei YouTube findet man hervorragend aufgearbeitete, leicht zugängliche Materialien. Ein wachrüttelndes, ausgesprochen kritisches, aber dennoch informatives Video findet sich hier. Die Website sustainabilityillustrated hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Videos auf Deutsch, Englisch und Französisch auch didaktisch wertvolle Erklärungen zum Themenkomplex Nachhaltigkeit anzubieten.

Eine Ebene tiefer taucht das Umweltbundesamt, welches auch mit anspruchsvolleren technisch-naturwissenschaftlichen Berichten und Studien aufwartet. Das Webportal des Umweltbundesamtes bietet darüber hinaus anwendungsbezogene und fundierte wie sehr lohnenswerte didaktische Ressourcen.

Weitere nationale und internationale Organisationen sind UNEP, UNFCCC, das PIK, … die oftmals in ihren je eigenen Zuständigkeitsbereichen tätig sind. Für Baden-Württemberg bei regionalen und lokalen technischen Umweltfragen ist die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz zuständig.

Schließlich möchte ich einen relativen „Exoten“ hervorheben. Sustainia hat es sich ganz explizit zum Ziel gemacht, eben jene konstruktiven Beiträge zu einer Lösung der Nachhaltigkeitskrise zu fördern und darüber zu informieren. Leider nur auf Englisch vorhanden, sind die Beiträge regelrechte „Hingucker“.

Zuletzt sei darauf hingewiesen, dass viele Akteure der Umweltpolitik durch ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auch in den sozialen Medien zu finden sind und dort über die jüngsten Entwicklungen informieren (z.B. UNEP, UBA, UNFCCC etc.). Einfach liken und du bist stets up-to-date! ;) 

Nachhaltig handeln lernen mithilfe digitaler Medien im „grünen“ Klassenzimmer (schulische und außerschulische Umweltbildung)

„Untersuchungen zufolge konnten bereits Zusammenhänge zwischen Medien und Umweltwissen, Umwelteinstellungen, Umweltbewusstsein und Handlungsbereitschaft von Kindern festgestellt werden (vgl. Gruber-Mannigel et al. 2010). Der Erfolg von Medien hängt – wie zu erwarten ist – zu einem großen Teil von dem pädagogischen Gesamtkonzept ab, in dessen Zusammenhang die digitalen (Geo-)Medien eingesetzt werden.

Neben der Einbettung in das Gesamtkonzept stellen Faktoren wie Lebensweltbezug, Adressatengemäßheit bzw. Zielgruppenorientierung, Komplexitätsreduktion, Anschaulichkeit, Handlungsorientierung, Interaktivität und der für Heranwachsende wichtige Spaßfaktor weitere bedeutsame Kriterien dar, die die Wirksamkeit des Medieneinsatzes und damit auch dessen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung bzw. Umweltbildung beeinflussen (vgl. Peters & Große Ophoff 2009, S. 471; Gruber-Mannigel et al. 2010).

Vor dem Hintergrund der medialen Sozialisation heutiger Kinder und Jugendlicher kommt dem Einsatz digitaler Medien eine zentrale Bedeutung bei der Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen in Bildungskontexten zu.“ (Aus: Michel, Siegmund, Ehlers, Jahn, Bittner: Digitale Medien in der Bildung für nachhaltige Entwicklung - Potenziale und Grenzen, oekom verlag, München, 2013).

Wie die Autoren schreiben, kommt es bei einer gelingenden Vermittlung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in der Schule heute in ganz erheblichem Umfang auf den Einsatz digitaler Medien innerhalb eines pädagogisch stimmigen Gesamtkonzepts an. Folgende Zusammenstellung soll hierfür eine Grundlage bieten, wobei neben innerschulischen Lernorten wie dem Klassenzimmer auch ganz besonders außerschulische Lernorte zu berücksichtigen sind.

Einen umfangreichen, einführenden Beitrag zur Didaktik der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stellt die Material- und Infosammlung der Bundeszentrale für politische Bildung dar. Hier werden besonders politikdidaktische Grundlagen wie der Beutelsbacher Konsens im Zusammenhang mit BNE thematisiert. Außerdem wird etwas umfangreicher die Notwendigkeit einer motivierenden Herangehensweise bei der Vermittlung von Bildung für nachhaltige Entwicklung dargelegt.

BNE Baden-Württemberg bietet ein weitreichendes Angebot an außerschulischen Lernorten, vom Bauernhof über den Wald bis zum Zoo, sowie einigen didaktischen Materialien zum Thema Nachhaltigkeit in der Schule für alle Schulformen. Das Land Rheinland-Pfalz hat gar eine Landesanstalt für Umweltaufklärung geschaffen, die mit einigen interessanten Materialien aufwartet (u.a. gibt es einen Reiter ‚Bienen in der Schule‘, der im Kontext der BNE die Arbeit in Schulimkereien thematisiert und besonders hervorhebt – was einem Imker wie dem Autor natürlich gefällt). Weitere bundesstaatliche Einrichtungen sind das Umweltministerium (BMUB) mit ihrer Website umwelt-im-unterricht.de sowie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Zentrale Anlaufstelle für Fragen besonders der außerschulischen Umweltbildung stellt die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) dar. Von ihr ausgehend findet man im Web ein weites Netz an Einrichtungen wie zum Beispiel die Ökostation Freiburg. Sie bietet unter dem Reiter „Grünes Klassenzimmer“ eine Vielzahl von im Wesentlichen außerschulisch stattfindenden Angeboten für Schulklassen. Eine besonders aktuelle und spannende (und nur bedingt schulische) Thematik des ANU findet sich unter „Umweltbildung mit Flüchtlingen“, außerdem eine Liste sämtlicher Umweltzentren in BW.

Das Web ist außerdem eine Fundgrube für didaktische Materialien, die weitestgehend direkt im Unterricht einsetzbar sind, wie die Videos von PlanetSchule, z.B. „Gefundenes Fressen – Leben vom Abfall“ und besonders die Themenschwerpunkte Klimawandel sowie Bedrohte Meereswelt.

Last but not least stellen auch PC-Games in der BNE ein Potential zum besonders motivierenden, spielgesteuerten Lernen dar. Eine kurze Übersicht über die verschiedenen Arten von PC-Games mit Lerneffekt im Bereich BNE findet sich hier. Beispiele hierfür sind Landyous, Anno 2205 oder das Bildungscent-Spiel des UBA.

Das Web 2.0 als Tool zum persönlichen nachhaltigen Ressourcenmanagement

Zuletzt soll nicht unbeachtet bleiben, dass das Web 2.0 in erheblichem Umfang Raum bietet für den Austausch über einen nachhaltig(er)en Lebensstil – in allen Bereichen des täglichen Lebens: Wohnen, Mobilität, Konsum und Lebensmittel.

Wohnen: Im Netz finden sich zahlreiche CO2-Rechner, z.B. vom Umweltbundesamt. Abgesehen davon bietet das Internet in Kombination mit intelligenten technischen Neuerungen natürlich zahlreiche Möglichkeiten – von der intelligenten Waschmaschine bis hin zu der sich unter dem Begriff „smart grids“ (intelligente Stromnetze) erst entwickelnden integrierten Energiemanagementsystemen. 

Mobilität: Vor allem in Form von verschiedensten Apps zahlreicher Startup- wie auch älterer Unternehmen bietet das Web 2.0 Möglichkeiten, bewusst nachhaltiger unterwegs zu sein. Man denke hier nur an die Unternehmen des ÖPNV, die DB, an Carsharing oder Mitfahrgelegenheiten oder Allrounder wie z.B. memobility.

Konsum: Unter dem Begriff der „sharing economy“ versammeln sich unzählige Initiativen, die etwa ihr Gartengerät, Werkzeug oder sonstige Gegenstände teilen. Und unter gartenpaten.org gibt es gar den ganzen Garten! Des weiteren bietet das Web Anschluss an kommerzielle Anbieter im Bereich eines ökologisch-alternativen Lifestyle und Einblick in das Privatleben von Aktivmenschen vermittels Lifestyle oder Aussteiger-Blogs. Mit dem "nachhaltigen Warenkorb" bietet der Rat für nachhaltige Entwicklung ein stets aktuelles und sehr umfangreiches Informationsportal, auch in App-Form, dar.

Lebensmittel: Schließlich bietet das Web 2.0 im letzten großen Nachhaltigkeitsfeld „Lebensmittel“ Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung einer nachhaltigeren Realität. Über foodsharing können nicht verwendete Lebensmittel doch noch einen Verwendungszweck finden. Ein ähnliches Angebot findet sich beim staatlichen Anbieter "zu gut für die Tonne" in Form einer ansprechenden App. Und die Kommunikation beim Beziehen einer Bio-Kiste vom Bauern erleichtert das Internet genauso, wie es die Besorgung von Lebensmitteln umweltverträglicher gestalten kann – egal ob per Online-Supermarkt oder den Zusammenschluss von Containern/Dumpstern im Netz (Vorsicht! Nicht ganz legal… ).

Sind bei all dem eure Erwartungen doch nicht so recht erfüllt worden oder braucht ihr jetzt einfach mal `ne Pause? Dann entsprecht einfach dem Rat des im vergangenen Jahr verstorbenen Peter Lustig aus eigentlich noch prädigitalen Zeiten, der am Ende seiner Sendung stets dazu einlud: „einfach mal ab(zu)schalten“! – denn (nachhaltig) Leben, das tun wir letztlich immer noch analog! ;)

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Besinnung

Vor einigen Jahren hat eine Freundin, Goldschmiedin von Beruf, zu mir gesagt, dass sie dem nächsten, der in ihrer Gegenwart von einer "besinnlichen Weihnachtszeit" fasele, vor die Füße spucke. Ich möchte Sie trotzdem zum Ausklang des Jahres zur Besinnung verführen, und zwar aufs Wesentliche. Und das ist an einer Bildungsuniversität die Frage nach der Bildung. Vor ein paar Jahren hat sich der Philosoph Robert Spaemann die Frage gestellt: "Wer ist ein gebildeter Mensch?" und nicht einmal zwei Seiten für eine brillante Antwort benötigt, die Sie hier als pdf finden...

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Debattenkultur im Netz - Öffentlichkeit unter den Bedingungen des Web 2.0 und die Folgen für die und Möglichkeiten der (Politik- und Ethik-)Didaktik

Hatte Jürgen Habermas in seiner Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit noch beklagt, dass wirtschaftlich bedingte Kapital- und Machtkonzentrationen die Idee der bürgerlichen Öffentlichkeit zerstörten, da sie die Möglichkeit eines diskursiven Austauschs zwischen Gleichen unterliefen und den Weg für vermehrte einseitige Kommunikation freigaben (vgl. Habermas 1990, 228ff.), so kann man sagen, dass heute – im Zuge der Digitalisierung – die Voraussetzungen dafür gegeben wären, auch ohne riesige Kapitalmengen mit Publikationen viele Rezipient_Innen zu erreichen. Dies könnte die wirtschaftlich bedingten Ungleichheiten wieder ausgleichen und die one- oder a-few-to-many- zu einer many-to-many-Kommunikation verändern.

Diese Idee, Medien zu nutzen, um der breiten Masse wieder den Zugang zur Öffentlichkeit zu ermöglichen, ist nicht neu. Bereits Berthold Brecht formulierte in einer seiner theoretischen Schriften – Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks (1932/2008) – dass „[d]er Rundfunk […] aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln [ist]“ (Brecht 1932/2008, 260). So könnte man „die Entscheidungen und Produktionen des Publikums in die Öffentlichkeit leiten“ (ebd., 263), um deren Meinung(en) so dem öffentlichen Diskurs zuzuführen. Ganz so, wie Brecht sich dies dachte, ist es nicht eingetreten. Dies sah er aber auch selbst, wenn er seine Idee als „utopisch“ (ebd.) klassifizierte.

Hans Magnus Enzensberger (1970/2008) hatte gut 40 Jahre später eine ähnliche Idee. Er postulierte, dass die elektronischen Medien, die die Kritische Theorie noch als ein Hauptorgan der „Bewußtseins-Industrie“ (Enzensberger 1970/2008, 266) brandmarkten, eben nicht nur dazu genutzt werden könnten, bestehende gesellschaftliche Verhältnisse zu erhärten. Vielmehr waren die – damals – neuen Medien „ihrer Struktur nach egalitär. Durch einen einfachen Schaltvorgang kann jeder an ihnen teilnehmen; die Programme sind immateriell und beliebig reproduzierbar“ (ebd., 272). Das heißt, sie konnten theoretisch genutzt werden, um auch ökonomisch schwächeren Personengruppen eine Stimme zu verleihen – einfach, weil man mit relativ kleinem Kapitaleinsatz hohe Reichweiten erzielen und Einfluss üben konnte.

Heute, unter den Bedingungen des Web 2.0, also der Möglichkeit, in einem digitalen Raum in Sekundenschnelle Texte, Videos, Bilder und andere Medieninhalte kostengünstig bis kostenlos zu verbreiten, scheint die Idee der sich selbst wieder in die Öffentlichkeit einbringenden Gesellschaftsmitglieder greifbarer als je zuvor. Denn nie zuvor war es so einfach, günstig und gleichzeitig effektiv, selbsterstelle Inhalte herzustellen und zu teilen, aber auch die erstellten Inhalte anderer zu erhalten. Nie zuvor verschwammen und verschwanden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten, wie unter den Bedingungen des Web 2.0. Axel Bruns nutzt dafür, für die Hybridisierung des Produzenten und Nutzers, den Begriff des Produtzers oder Produsers (vgl. Bruns 2009, 1).

Mit dieser mittlerweile fast jedem gegebenen Möglichkeit, mit einem Mausklick Öffentlichkeit zu schaffen bzw. sich an (quasi-)öffentlichen Diskussionen und Aushandlungsprozessen zu beteiligen, wären also alle Voraussetzungen geschaffen, um die demokratische Öffentlichkeit so zu verbessern, wie Habermas sie sich idealerweise vorgestellt hat: als „Ort politischer Diskussionen und Willensbildung“ (Brunkhorst 2006, 124), in dem möglichst keine „Hegemoniebildung“ (ebd.) gegeben ist. Denn jeder kann sich überall informieren, fast überall kritisieren und selbst Inhalte verfassen – und dies auch noch kostenlos und schnell.

Doch die Realität sieht anders aus. Schaut man sich Diskussionen im Netz an – sei es in Foren, in der Kommentarsektion, in Chats oder anderen Formen medialer Kommunikation – merkt man schnell, dass politische Ideologisierungen und sozialpsychologische Phänomene selbige überformen. Allzu schnell werden politische Kampfbegriffe, die sachliche Diskussionen erschweren, ausgetauscht und ein Rückzug in meinungskonforme Bereiche angetreten, um sich dort im wohligen Gefühl der kognitiven Resonanz zu wiegen. Diese Prozesse führen die Möglichkeiten, die die digitalen Medien bereiten, um den öffentlich-demokratischen Prozess zu verbessern, ad absurdum, da sie statt einem öffentlichem Austausch zum Ziele des Findens des personenirrelevanten Wahren und Richtigen dazu führen, dass Personen ihre Welt- und Selbstsicht verabsolutieren und – durch selektive Medienauswahl – in ihrer Verabsolutierungstendenz noch bestärkt werden.

Um dennoch einen freien demokratischen Willensbildungs- und reflektierten Entscheidungsfindungsprozess zu ermöglichen und da eine Gesellschaft auch immer darauf bedacht sein muss, sich selbst zu reproduzieren, ist zu fragen, ob und wenn ja, was gegen diese Entwicklung unternommen werden kann. Denn wenn es der Kern eines demokratischen Systems ist, eine funktionierende – und das heißt diskursfähige – Öffentlichkeit zu haben, so ist zu fragen, wie diese (wieder) hervorgebracht bzw. sichergestellt werden kann, damit sie weiter als demokratische Gesellschaft besteht – vor allem auch unter den Bedingungen des Web 2.0.

Eine der wichtigsten Möglichkeiten, gesellschaftliche Verhältnisse zu reproduzieren, stellt dabei die Erziehung dar (vgl. Gudjons 2012, 205). Denn dort bekommen die Individuen durch Interaktion mit und in Institutionen die Werte und Normen der jeweiligen Gesellschaft bis zu einem gewissen Grade introjiziert mit dem Ziel, dass sie sie internalisieren (vgl. ebd.).

Da Schule wie die Gesellschaft auch funktionell differenziert ist, kommen verschiedenen Fächern dabei verschiedene Erziehungsziele zu. Der Politikunterricht oder wie seine Pendants in den jeweiligen Bundesländern auch heißen mögen, ist dabei dafür da, die Schülerinnen und Schülern für das politische System der Bundesrepublik Deutschland bereit zu machen. Dazu gehört auch, dass sie Diskussionen führen können und an öffentlichen Diskursen teilnehmen können. Kurzum: sie sollen durch den Unterricht befähigt werden, verschiedenste Bereiche des politischen Lebens begreifen, reflektieren und weiterdenken zu können. Dies soll sie in den jeweiligen Handlungsbereichen handlungsfähig machen.

Andere Fächer, wie Ethik oder wie dessen Pendants in den einzelnen Bundesländern auch immer heißen mögen (vgl. Thyen 2015), haben ebenfalls das Ziel, die Schülerinnen und Schüler reflexions- und vor allem diskursfähig zu machen. Beide sollen also unter anderem dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, öffentliche Diskurse führen zu können.

Mit Hinblick auf die aktuelle mediale Situation muss man deshalb fragen, was (Politik- oder Ethik-)Unterricht leisten kann, um Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, das Medienmögliche – zumindest in politischer Sicht – reflektiert zu nutzen. Gibt es didaktische Vorschläge, wie man bei Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen stärkt bzw. stärken kann, die für das Teilnehmen an demokratischen öffentlichen Diskursen notwendig sind?

In der geplanten Arbeit soll eine Antwort auf die letztgestellten Fragen gesucht werden. Dafür soll zunächst in einem ersten Teil eine kurze Abhandlung über den Begriff der Öffentlichkeit und seine demokratietheoretische Bedeutung vorangestellt werden. Dann soll versucht werden, die aktuelle Entwicklung der Debattenkultur im Netz darzustellen – vor allem in sozialen Netzwerken. Das dort beobachtbare Verhalten soll vor allem mit sozialpsychologischen Modellen erfasst und erklärt werden. Denn sozialpsychologische Phänomene sind nicht nur im Hinblick auf ihre Entstehung gut erforscht, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Möglichkeiten, die es gibt, ihnen zu entgegnen.

Dies hängt zusammen mit dem dritten Schritt, in dem es um die Frage geht, wie man aus Sicht der (Politik- und Ethik-)Didaktik und des durch sie angeleiteten (Politik- und Ethik-)Unterrichts dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler in ihren Kompetenzen zu schulen, die notwendig sind, um am öffentlichen Meinungsbildungsprozess im Internet konstruktiv mitzuwirken. Alles mit dem langfristigen Ziel, die Debattenkultur im Netz insgesamt zu verbessern oder zumindest einen Teil zur Verbesserung beizutragen.

Oder um es realistischer und demütiger auszudrücken: Es soll untersucht werden, inwiefern (Politik- und Ethik-)Unterricht etwas dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, am digitalen Diskurs konstruktiv teilzunehmen - mit der Hoffnung, dass bei einer flächendeckenden Umsetzung der vorgestellten Ideen der digitale Diskurs und die digitale Öffentlichkeit davon profitieren würden.
Literatur
Brecht, Berthold (1932/2008): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Claus Pias et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgebenden Theorien von Brecht bis Baudrillard. München: Deutsche Verlags-Anstalt. 6. Auflage. S. 259 - 263.
Brunkhorst, Hauke (2006): Habermas. Stuttgart: Reclam.
Bruns, Axel (2009): Vom Prosumenten zum Produtzer. In: Blättel-Mink, Birgit / Hellmann, Kai-Uwe (Hrsg.): Prosumer Revisited: Zur Aktualität einer Debatte. Wiesbaden. S. 191–205. Online-Quelle: http://snurb.info/files/Vom%20Prosumenten%20zum%20Produtzer%20(final).pdf (Stand: 21.12.2016).
Enzensberger, Hans Magnus (1970/2008): Baukasten zu einer Theorie der Medien. In: Claus Pias et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgebenden Theorien von Brecht bis Baudrillard. München: Deutsche Verlags-Anstalt. 6. Auflage. S. 264 - 278.
Gudjons, Herbert (2012): Pädagogisches Grundwissen: Überblick - Kompendium - Studienbuch. Stuttgart: UTB GmbH. 11. Auflage.
Habermas, Jürgen (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp Verlag.
Thyen, Anke (2015): Ethikunterricht. In: WiReLex – Wissenschaftlich-Religionspädagogisches Lexikon im Internet. Hg. von Mirjam Zimmermann/Heike Lindner. 2015 Online-Quelle: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/100092/ (Stand: 21.12.2016).

Partizipation Jugendlicher im Web 2.0

Darum geht es

Gesellschaftliche und insbesondere politische Partizipation ist einer der Grundpfeiler für ein funktionierendes, politisches System. Neben dem wohl bekanntesten Mittel zur Beteiligung in einer repräsentativen Demokratie – der Wahl – gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, sich selbst in verschiedenste Prozesse einzubringen. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, diese Optionen zum Beispiel im Politikunterricht kennenzulernen.

Verschiedene Beteiligungsformen

Dabei sind die Jugendlichen (und natürlich auch Erwachsenen) heute aber nicht mehr nur auf ‚analoge’ Partizipationsformen beschränkt: das Web 2.0 macht möglich, dass etwa Petitionen schon mit wenigen Klicks unterschrieben oder Blogs in kürzester Zeit erstellt werden können. Diese Freiheit erfordert sowohl ein gewisses Maß an Medienkompetenz, als auch das Wissen darüber, wie wirksam einzelne Partizipationsmaßnahmen sein können. Sigrid Baringshorst stellt die Handlungsformen im Internet in Form einer hierarchischen Pyramide dar, an deren Fuß zuschauende, lesende und zuhörende Akteure stehen und die den kreativen Produser (also die Mischung aus Produzent und User) an der Spitze sieht (Vgl. [1]). Dieser Begriff wurde wohl erstmals von Axel Bruns geprägt (Vgl. [2]) und stellt den wahrscheinlich aktivsten Internetnutzer im Sinne der Partizipation dar.

Projekte und Organisationen

Mit der Popularität des Web 2.0 kamen im Laufe der Zeit verschiedene Projekte auf, die auch von namhaften Organisationen und Trägern – etwa der Bundesrepublik Deutschland oder der Europäischen Union – aufgebaut und unterstützt wurden. Dabei werden unterschiedliche Ziele verfolgt und der Fokus der Projekte jeweils anders gesetzt. Außerdem scheint die Resonanz, die bei den Jugendlichen ausgelöst werden sollte, deutlich geringer auszufallen als erwartet. Zum Teil werden deshalb zumindest bestimmte Teilbereiche der Angebote kaum noch genutzt. Im Folgenden soll eine im Seminar erarbeitete Übersicht dazu dienen, für mehr Klarheit zu sorgen:

Übersicht über vier große Partizipationsprojekte für Jugendliche im Internet.
Die Tabelle erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität.

Links zu den Projekten:

[1] Baringhorst, S. (2014): Internet und Protest. Zum Wandel von Organisationsformen und Handlungsrepertoires - Ein Überblick, in: Voss, K. (Hrsg.), Internet und Partizipation. Bottom-up oder Top-down? Politische Beteiligungsmöglichkeiten im Internet. Springer Fachmedien, Wiesbaden. S.105
[2] Bruns, A. (2007): Produsage – A Working Definition. [Online] http://produsage.org/node/9 [Abgerufen am 20.Dezember.2016].

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Digitalcharta

Kürzlich wurde die "Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union" vorgestellt (siehe https://digitalcharta.eu/). Auf der Website heißt es:
Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, denen die Gestaltung der digitalen Welt am Herzen liegt, hat in den vergangenen 14 Monaten einen Vorschlag für eine Digitalcharta erarbeitet, der hiermit dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Öffentlichkeit zur weiteren Diskussion übergeben wird. Diskutieren Sie mit, unterzeichnen Sie mit!
Die Charta ist überschaubar, umfasst neben einer Präambel 23 Artikel (Würde, Freiheit, Gleichheit, Sicherheit etc.) und wird von vielen Experten der digitalen Welt unterstützt. Eine Auswahl erster Einschätzungen dazu:
  • Markus Böhm: Prominente entwerfen Charta digitaler Grundrechte, Spiegel Online (Link)
  • Für digitale Grundrechte, Die Zeit (Link)
  • Markus Beckedahl: Neue Initiative für eine gesellschaftliche Netzpolitik-Diskussion: Symbolische Charta der digitalen Grundrechte der EU, Netzpolitik.org (Link)
  • Wolfgang Michal: Die Digitalcharta: ein deutscher Sonderweg, iRights.info (Link)

Dienstag, 13. Dezember 2016

Tor. Warum überhaupt?

Gute Frage. Warum benutze ich überhaupt Tor? Beim Nachdenken fielen mir einige Dinge ein, die aus heutiger Sicht vielleicht gar nicht mehr als störend oder invasiv wahrgenommen werden, wenn man das Surfen im Internet betrachtet. Damals, Ende der 1990er Jahre, als das Internet zunehmend Verbreitung in privaten Haushalten fand, damals sah es anders aus.

Als Suchmaschine hatte man vielleicht Altavista. Soziale Medien gab es nicht. Es gab das Usenet und Chatrooms. Es gab Wackelgifs, html und viele Menschen, die versuchten, eine eigene Website zu erstellen.

Das frühe Internet schien für mich so zu sein, wie ich mir eine Einkaufsstraße in den 50er Jahren vorstelle. Viele kleine Ladengeschäfte mit überschaubaren Auslagen. Wenn man lange genug stöbert, findet man alles, was man braucht. Mit der Zeit findet man sich zurecht, kennt die Anbieter, weiß, wie weit man ihnen Vertrauen kann, und wechselt den Laden nur bei Unzufriedenheit oder Geschäftsaufgabe.

Der Unterschied zu unserem Jetzt? Ein Gang durch eine moderne Einkaufsstraße, vorbei an den zahlreichen großen Einkaufszentren mit gestylter Fassade und blinkenden Lichtern, die alle ein ähnliches Warenangebot und eine sehr ähnliche Preisgestaltung haben, stehen Flash-Bots mit Flyern, Angebote, NUR NOCH HEUTE! FÜR DICH, DEN 1000 KUNDEN!

Während dich dieser böse Pop-up Flyer-Schreihals ablenkt, bevor du ihn zur Seite klicken kannst, zieht dir sein Kollege PREFID-Cookie alle wichtigen Informationen über dich aus der Hosentasche. Auch deine Einkaufszettel, Vorlieben für Zeitschriften oder Literatur und alles andere, was du eben mit dir rumträgst, weil du es auf dem Weg durch die Einkaufsstraße mitgenommen hast. Und er weiß jetzt immer, wo du bist und was du machst. Diese Informationen werden verkauft. Aber natürlich nur, um dir einen Gefallen zu tun!

Tor wird damit nur zum letzten Schritt, wenn man sichergehen möchte, dass die eigene Datenspur im Internet nicht zu leicht nachvollziehbar ist. Vorausgehenden Maßnahmen sind: Das Nicht-Anlegen eines Browser-Verlaufs, das Löschen aller Cookies – automatisiert – beim Schließen des Browsers sowie das Blockieren von Werbung und von Scripten.

Ist es unbequemer oder zeitaufwändiger? Nein. Man braucht deutlich weniger Zeit, die beiden Add-ons zu installieren – und dies ist ein einmaliger Vorgang –, als auf jeder Seite die Werbung aus dem Sichtfeld zu schieben. Man wird dann auch verschont von Werbefilmchen, die plötzlich zu spielen beginnen, unerwartet und ungefragt, mit reizenden Klängen und sanfter Stimme, um auf die Vorteile von #Produkt hinzuweisen.

Ein weiterer für mich wichtiger Punkt: Ich mag es nicht, wenn Webseiten ihre Inhalte für mich, aufgrund meines Standorts oder bereits besuchter Seiten, vorsortieren. Am Youtube-Beispiel war es für einige von euch sichtbar, die Suchergebnisse waren verschieden. Andere Seiten und auch Suchmaschinen machen das ähnlich.

Die Links zu den in der Präsentation gezeigten Artikeln:

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Jihadistische Radikalisierung im Internet - wichtige Links

Einen guten Einstieg in das Thema bietet das Video von ZDFinfo mit dem Titel „Islamistische Propaganda im Netz“: https://www.youtube.com/watch?v=fiROcoPf5zg&t=1137s

Ein wichtiger salafistischer Prediger in Deutschland, der sehr aktiv im Netz ist, ist Pierre Vogel. Dies kann man unter anderem auf seiner Facebook Seite (https://www.facebook.com/PierreVogelOffiziell/) und seinen Videos auf YouTube sehen: https://www.youtube.com/watch?v=g2r_HZjU4gY&t=18s.

Das von der Al-Qaida veröffentlichte „Inspire Magazine“ stellt einen wichtiger Faktor in der Radikalisierung vieler Jugendlicher dar: http://jihadology.net/category/inspire-magazine/.

Einen sehr hilfreichen Überblick zum Thema Deradikalisierung bietet das Violence Prevention Network. Unter den folgenden Links findet man Informationen über diese Organisation:
Umfassende Informationen und Broschüren zu Extremismus-Themen findet man unter: www.mik.nrw.de/verfassungsschutz

Weitere Beratungsstellen und Präventionsprogramme findet man ausgehend von folgendem Link:
http://www.stern.de/tv/hintergruende-zu-razzien-gegen-salafisten--so-hat-die--lies--kampagne-ihre-opfer-gekoedert-7170650.html

Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zum Thema Jihadistische Online-Propaganda:
https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/studien/2012_S05_dfr.pdf

Montag, 5. Dezember 2016

Debatte über Social Bots und Fake News

Das Brexit-Referendum und der Wahlkampf Donald Trumps haben auf Phänomene wie Social Bots und Fake News aufmerksam gemacht. Zwischenzeitlich sind einige Beiträge erschienen, die Orientierungswissen in dieser Debatte bieten. Eine Auswahl:
  • Simon Hegelich: Invasion der Meinungs-Roboter, Konrad-Adenauer-Stiftung: Analysen & Argumente, Ausgabe 221, September 2016 (Link, pdf)
  • Adrian Lobe: Gefährden Meinungsroboter die Demokratie?, Spektrum (Link)
  • Sascha Lobo: Wie soziale Medien Wahlen beeinflussen, Spiegel Online (Link)
  • Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen - eine Begriffsklärung, Netzpolitik.org (Link
  • Gregor Weichbrodt: Bots unter Generalverdacht, Krautreporter (Link)