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Dienstag, 25. Juni 2013

Don Tapscott: Global Solution Networks

Projekt für Projekt, Buch für Buch hat sich Don Tapscott von wirtschaftlichen zu politischen Fragen vorgearbeitet. Ging es in seinem einflussreichen Buch "Wikinomics" noch um die neue Welt der Wirtschaft im Zeitalter des Web 2.0 (siehe "Wirtschaft 2.0" im Online-Lehrbuch zum Web 2.0), behandelte er in "Macrowikinomics" die Auswirkungen des Web 2.0 auf so unterschiedliche Felder wie die globale Finanzindustrie, die Bekämpfung des Klimawandels, die Zukunft der Bildung, das Gesundheitswesen, die (traditionellen) Medien oder Politik und Regieren.


     

Daran anknüpfend untersucht sein neues Projekt "Global Solution Networks" die Veränderungen, denen sich Politik auf allen Ebenen (und über diese hinweg) gegenübersieht. Unter dem Titel "How to Solve the World's Problems" hat er auf der SXSW 2013 in einem sehr interessanten Vortrag über dieses Projekt und die ersten Zwischenergebnisse berichtet (siehe Video am Ende des Beitrags).

Ausgangspunkt des Vortrags bildet die Grundfrage internationaler Politik (bzw. von global governance): Warum werden die globalen Probleme nicht gelöst? Warum führt das Zusammenspiel der entscheidenden Akteure - Nationalstaaten und Internationale Organisationen - systematisch zu Ergebnissen, die den Problemen und ihrer Dringlichkeit nicht angemessen sind? Paradebeispiel dafür ist natürlich die internationale Klimapolitik und ihre Unfähigkeit, das wohl drängendste globale Problem, den Klimawandel, erfolgreich zu bearbeiten.

Doch es gibt, so Tapscott, Grund zum Optimismus, denn es haben sich neue und neuartige Akteure herausgebildet, die unabhängig von den klassischen politischen Institutionen das Potenzial haben, die globalen Probleme zu lösen: Mit den Global Solution Networks zeichnet sich ein neues Politikmodell ab. Vieles davon kommt einem Politikwissenschaftler natürlich bekannt vor, denn einige der Networks sind (schlicht) NGOs wie Human Rights Watch oder das World Economic Forum, aber es gibt auch (wirklich) neue Arten von Akteuren, die erst durch das Web 2.0 ermöglicht werden (Ushahidi, Wikipedia, CrisisCommons, Anonymous ...).

Tapscott benennt - anknüpfend an die Analysen in den beiden oben angesprochenen Büchern - in dem Vortrag die wesentlichen Triebkräfte für die Veränderungen:
  • technological change
  • net generation
  • social revolution (collaborative communities, self-organization, siehe "Macrowikinomics")
  • economic revolution (siehe "Wikinomics")
Er zeigt auf, welche Akteure bei diesen Networks eine Rolle spielen (state, private sector, civil society, individual), was die Definitionskriterien sind (address a global problem, use the Internet, self-organized, not controlled by a state) und wie sie sich einteilen lassen. Seine Taxonomie umfasst neun Kategorien an Global Solution Networks:
  • knowledge networks (Wikipedia, TED ...)
  • advocacy networks (avaaz.org, KONY 2012 ...)
  • operational & delivery networks (CrisisCommons, KIVA ...)
  • policy networks
  • watchdog networks (Human Rights Watch, AI ...)
  • platforms (SoJo, Ushahidi ...)
  • governance networks (ICANN ...)
  • global standards networks (W3C ...)
  • networked institutions (World Economic Forum ...)
Man darf schon gespannt sein auf das Buch zu diesem Projekt. Einstweilen empfehle ich, eine knappe Stunde für den Vortrag zu investieren:


Don Tapscott - How To Solve the World's Problems - SXSW Interactive 2013 from SXSW on Vimeo.

Montag, 4. April 2011

Online-Lehrbuch zum Web 2.0

Seit gestern ist unser neues Online-Lehrbuch zum Web 2.0 auf dem Internationalen UNESCO Bildungsserver D@dalos vollständig online: www.dadalos-d.org/web20.

Es beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Web 2.0 auf Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Lernen etc. und versucht, Schneisen in das Dickicht der unübersichtlichen Debatten zu schlagen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
Was ist das Web 2.0?
-- Elemente des Web 2.0
-- Tagging: Denken 2.0
Lernen 2.0
Politik 2.0 und Regieren 2.0
Wirtschaft 2.0 / Wikinomics
Gesellschaft 2.0
-- Gefahren des Web 2.0
-- Soziale Netzwerke
-- Weisheit der Vielen
-- Digital Natives

Wir freuen uns über Rückmeldungen...

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Wikinomics

Am Donnerstag (29.10.2009) stand das Thema auf dem Programm, wie das Web 2.0 Politik und Wirtschaft verändert. Ragnar hält einen Vortrag über das Web 2.0, den er vor Wirtschaftstreibenden in Deutschland gehalten hat. Barack Obama wird als Präsident 2.0 dargestellt. Er hat das Web für seinen Wahlkampf optimal genützt (E-Mail-Verteiler mit 13 Mio. Menschen, 3 Mio. Online Spender, 5 Mio. Freunde in 15 Social Networks, Eigene Online Community – es wurden 400.000 Blogeinträge geschrieben, 2000 offizielle Videos auf YouTube etc.).

Dann verdeutlicht Ragnar den Unterschied zwischen Web 1.0 und Web 2.0. Das Web 2.0 ist ein "state of mind" und schafft neue Formen des sozialen Miteinander mit weitreichenden Folgen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Web 1.0 war ein Lese-Web und das Web 2.0 ist ein Mitmach-Web (user generated content). Das zentrale Prinzip ist die Nutzung der kollektiven Intelligenz. Das Web 2.0 ist selbstorganisiert, die Antriebe zum Mitmachen für die Nutzer sind express – comment – share.

Dann geht Ragnar auf Wikinomics ein. Durch die Wikis entsteht eine neue Ära der Zusammenarbeit und Partizipation. Es werden die Firmen Lego, IBM und P&G als Beispiele genannt, die sich nach außen öffnen (Kunden sind gleichzeitig Produzenten, Beitritt zur Linux Community, yet2.com etc.) und dadurch die Erfolgsrate deutlich steigern konnten. Das Web 2.0 verursacht zusammen mit der NetGeneration und Globalisierung den "perfekten Sturm" (collaborate or die). Entscheidend ist festzustellen, dass sich die Vorzeichen für Wettbewerb geändert haben.

Wie schaut nun das Startpaket im Web 2.0 für die Wirtschaftstreibenden aus? Die Informationsbeschaffung sollte nicht nur durch Google allein erfolgen. Es gibt 500.000 Suchmaschinen und fünf verschiedene Typen von Suchmaschinen. Entscheidend wird Blog-Monitoring, Social Bookmarks und Einträge in Wikipedia zu schaffen. Facebook, MySpace und YouTube werden zukunftsweisend sein. Blogs und Wikis, Skype, ZohoProjects sind ideal für kleine und mittlere Unternehmen, da keine Kosten anfallen.