https://www.digitale-helden.de/ - Computer und Internet werden heute zu den wichtigsten Bestandteilen unseres Lebens. Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem die digitale Kommunikation nicht wegzudenken ist. Auch Kinder sind von diesem Fortschritt der Technologie betroffen. Sie mailen, surfen, laden Dateien aus dem Internet herunter und nutzen ganz selbstverständlich Instant-Messenger-Programme wie zum Beispiel WhatsApp. Jedoch bleiben die beim Nutzen eintretenden Risiken den vielversprechenden und „coolen“ Chancen untergeordnet.
Um hauptsächlich Schülerinnen und Schülern den richtigen Umgang mit dem Internet und den Sozialen Netzwerken sowie die Prävention von Cybermobbing zu verdeutlichen, versucht ein junges Team aus Frankfurt, Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis neun zu sogenannten Mentoren auszubilden. Diese sollen nach ihrer Ausbildung zu Digitalen Helden jüngeren Schülern bei Fragen und Problemen in der digitalen Welt behilflich sein.
„Digitale Helden“ profitiert in Form eines Peer-Education Projekts von einem Austausch von Schüler zu Schüler auf Augenhöhe. Das heißt Schülermentoren, die sehr nah zu ihren Altersgenossen stehen, nehmen eine sehr authentische und verantwortungsvolle Rolle ein, denn ihren Mitschülern gelingt es besser, ihre persönlichen Probleme mit ihnen zu teilen als mit einer Lehrkraft, die „nur“ den Leistungsstand bewertet.
Das Projekt bietet den ausgebildeten „Digitalen Helden“ einen Online-Kurs auf der Homepage an, der als gemeinsamer Lernort gilt. Die Schülermentoren können für ihre Workshops mit jüngeren Schülerinnen und Schülern, die in Form einer Schul-AG, bzw. eines Wahlpflichtkurses ablaufen, das Material des Kurses nutzen (Videos, Arbeitsblätter, etc.).
Für eine nachhaltige Medienkompetenz ist jedoch wichtig, dass auch Lehrerinnen und Lehrer der beteiligten Schulen und Eltern zur Medienbildung beitragen. Aus diesem Grund finden regelmäßig Elternabende, Klassenbesuche und Fortbildungen in Form von „Web-Seminaren“ statt. So haben auch diese die Chance, sich aktiv zu beteiligen und Tipps durch Online-Infoveranstaltungen zu vertiefen.
Gerade für Lehrkräfte hat das Projekt beispielweise Unterrichtseinheiten zu „WhatsApp, meine Freunde und ich“ entworfen. Sie empfehlen sehr, das Thema WhatsApp in der Schule zu thematisieren, da es bereits in der Grundschule als selbstverständlich gilt, einen Klassenchat zu führen. Es lässt sich nämlich feststellen, dass es durch das Nutzen solcher Applikationen schnell zu Problemen wie Lästereien, Ausgrenzungen, etc. kommt. Um den jüngeren Schülerinnen und Schülern, einen sicheren, kompetenten, aber auch kritischen Umgang mit solchen Instant-Messenger-Programmen wie WhatsApp zu ermöglichen, hat das Projekt „Digitale Helden“ einen Online-Kurs für Lehrkräfte erstellt. Diesen Kurs können Lehrkräfte in einem Doppelstundenmodell bzw. in Form von Projekttagen umsetzen, um möglicherweise Regeln für das Nutzen dieser Applikation aufzustellen, sodass es zu keinen Problemen innerhalb der Klasse, aber auch im privaten und sozialen Bereich kommt.
„Digitale Helden“ wurde im Jahr 2013 zunächst an Frankfurter Schulen durch „Sicher-dein-Web” (GbR) und den Verein „Eltern für Schule e.V.“ ins Leben gerufen. Aktuell nehmen 15 Schulen aus dem Kreis Limburg-Weilburg an dem Projekt teil. Ihnen ist es gelungen 150 Schülerinnen und Schüler, bzw. 45 Lehrkräfte zu sensibilisieren und zu Mentorinnen und Mentoren auszubilden. Des Weiteren wurden insgesamt 4500 Schülerinnen und Schüler durch Klassenbesuche und 1500 Eltern durch Elternabende erreicht.
Dank Großförderern entsteht für die Mitgliedschaft der Schulen an dem Mentoren-Programm nur ein Restbetrag von 690€ pro Schuljahr, der aber durch verschiedene Querfinanzierungen teilweise oder vollständig gedeckt werden konnte.
https://www.youtube.com/watch?time_continue=8&v=jvlLEh8rGso
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Mittwoch, 6. Dezember 2017
Initiative Datenschutz geht zur Schule
Die seit 2009 bestehende Initiative Datenschutz geht zur Schule wurde von dem Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) e.V. gegründet.
Sie besuchen Schulen oder Schulklassen, um dort über wichtige Themen des Datenschutzes aufzuklären. Die jeweiligen Vorträge werden von ehrenamtlichen Datenschutzexperten gehalten. Die Schüler lernen, wie man zum Beispiel ein sicheres Passwort erstellt oder wie man eine Verbindung verschlüsselt. Ihnen wird erklärt, was ein Virus oder Trojaner ist und wie sie funktionieren. Außerdem, und mit am wichtigsten, wie sie ihre eigene Privatsphäre in Zeiten des Smartphones schützen können, ohne dabei ganz darauf verzichten zu müssen.
Für die Lehrkräfte gibt es ein sogenanntes „Lehrerhandout“, welches auch Materialien für den Unterricht beinhaltet, sodass sie Aspekte des Datenschutzes im Unterricht behandeln können. Auch an die Eltern wurde gedacht. Es werden Elternabende angeboten, in denen die Dozenten den Eltern mehr über eine sichere Online-Nutzung erklären. Es werden Tipps vermittelt und Fragen zum Thema beantwortet.
Sie besuchen Schulen oder Schulklassen, um dort über wichtige Themen des Datenschutzes aufzuklären. Die jeweiligen Vorträge werden von ehrenamtlichen Datenschutzexperten gehalten. Die Schüler lernen, wie man zum Beispiel ein sicheres Passwort erstellt oder wie man eine Verbindung verschlüsselt. Ihnen wird erklärt, was ein Virus oder Trojaner ist und wie sie funktionieren. Außerdem, und mit am wichtigsten, wie sie ihre eigene Privatsphäre in Zeiten des Smartphones schützen können, ohne dabei ganz darauf verzichten zu müssen.
Für die Lehrkräfte gibt es ein sogenanntes „Lehrerhandout“, welches auch Materialien für den Unterricht beinhaltet, sodass sie Aspekte des Datenschutzes im Unterricht behandeln können. Auch an die Eltern wurde gedacht. Es werden Elternabende angeboten, in denen die Dozenten den Eltern mehr über eine sichere Online-Nutzung erklären. Es werden Tipps vermittelt und Fragen zum Thema beantwortet.
Dienstag, 31. Oktober 2017
bpb-Sammelband: Medienkompetenz und politische Bildung
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat kürzlich einen für dieses Blog unmittelbar einschlägigen Sammelband veröffentlicht:
Gapski, Harald / Oberle, Monika / Staufer, Walter (Hg.) (2017), Medienkompetenz. Herausforderung für Politik, politische Bildung und Medienbildung, bpb Bonn.
Das Buch kann bei der bpb bestellt (4,50 €) oder kostenlos als pdf oder ebook heruntergeladen werden. Die Beschreibung auf der bpb-Website lautet:
Gapski, Harald / Oberle, Monika / Staufer, Walter (Hg.) (2017), Medienkompetenz. Herausforderung für Politik, politische Bildung und Medienbildung, bpb Bonn.
Das Buch kann bei der bpb bestellt (4,50 €) oder kostenlos als pdf oder ebook heruntergeladen werden. Die Beschreibung auf der bpb-Website lautet:
Die digitale Transformation der Gesellschaft ist in vollem Gange und macht auch nicht vor dem politischen System halt: Bots und Big Data Analysen in Wahlkämpfen, Leaks und Fake News in der Berichterstattung und neue digitale Partizipationsmodelle verändern die politische Kommunikation und Willensbildung. Um Verunsicherung über deren Wirkungsweise zu begegnen ist kritisches Denken gefragt, diese neuen Phänomene und die Mechanismen zu verstehen. Dabei wachsen Medienbildung und politische Bildung zusammen. Medienkompetenz kommt eine Schlüsselrolle als Demokratiekompetenz zu.
Der Schriftenband beschreibt die lange gewachsenen und jetzt aktuellen Herausforderungen über digitale Gesellschaft und politisches Handeln, skizziert Medien- und bildungspolitische Positionen, Forderungen und Strategien und begründet Medienkompetenz als eine Schlüsselkompetenz für politische Urteils- und Handlungsfähigkeit. Medienkompetenz als Aufgabe für Politik und Ziel politischer Bildung:
Der Band zeigt Wege in die Bildungspraxis, Gestaltungsmöglichkeiten der Medienkompetenzförderung und der Professionalisierung und fordert Politik, politische Bildung und Medienbildung mit strukturierten Beiträgen zum Handeln auf, die Digital- und Medienkompetenzen entlang der Bildungskette - von der Kita bis zur außerschulischen Bildung - zu stärken und neue, zeitgemäße Formate zu entwickeln. Dieser Schriftenband will Diskurse der Medienpädagogik/Medienbildung und der Politikdidaktik/politischen Bildung in einen fruchtbaren Austausch miteinander bringen.
Dienstag, 4. Juli 2017
Der Kampf gegen Fake News
Im seminarbegleitenden Blog zum Seminar "Web 2.0 & Medienkompetenz" hat Ihr Kommilitone Daniel einen ausführlichen Beitrag mit dem Titel "Der Kampf gegen Fake News" verfasst:
Fake News sind, wie der Name schon besagt, Falschnachrichten. Allerdings verfolgen ihre Erzeuger unterschiedliche Ziele. Und wie so oft haben diese vor allem mit Geld und Macht zu tun. Mit Fake News, die gut „clicken“, sich also im Internet stark und schnell verbreiten, lässt sich viel Geld verdienen und das mit minimalem Aufwand.
Zu Zeiten des amerikanischen Wahlkampfes machte eine Handvoll politisch völlig unmotivierter mazedonischer Jugendlicher mit Fake News sehr viel Geld. Sie produzierten am laufenden Band Falschnachrichten über die beiden US-Spitzenkandidaten. Gefragt waren private und sehr schmutzige Details ...weiterlesen
Montag, 3. Juli 2017
Identitätsdiebstahl - Das Geschäft mit dem digitalen Ich
Inhalt
1. Einleitung: Unser digitales Ich
2. Wie funktioniert Identitätsdiebstahl?
3. Wie kann man sich und seine Identität schützen?
4. Ich bin Opfer eines Diebstahles geworden, was tun
5. Juristische Einordnung
6. Immer online – Präventionsmaterialien für den Unterricht
1. Einleitung: Unser digitales Ich
Statistisch wird alle drei Sekunden eine Identität geklaut. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte 2015 45.000 Fälle von Computer- und Internetkriminalität mit einem Schaden von mehr als 40 Millionen Euro. Das sind jedoch nur die offiziellen Zahlen. In Wirklichkeit geht man von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus - das BKA verwendet für diese Art von Vergehen den Begriff „Cybercrime“ (vgl. BKA, Lagezahlen 2015). Viele Menschen bemerken den Diebstahl nicht oder erst dann, wenn es zu spät ist. Doch was ist konkret damit gemeint?
1. Einleitung: Unser digitales Ich
2. Wie funktioniert Identitätsdiebstahl?
3. Wie kann man sich und seine Identität schützen?
4. Ich bin Opfer eines Diebstahles geworden, was tun
5. Juristische Einordnung
6. Immer online – Präventionsmaterialien für den Unterricht
1. Einleitung: Unser digitales Ich
Statistisch wird alle drei Sekunden eine Identität geklaut. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte 2015 45.000 Fälle von Computer- und Internetkriminalität mit einem Schaden von mehr als 40 Millionen Euro. Das sind jedoch nur die offiziellen Zahlen. In Wirklichkeit geht man von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus - das BKA verwendet für diese Art von Vergehen den Begriff „Cybercrime“ (vgl. BKA, Lagezahlen 2015). Viele Menschen bemerken den Diebstahl nicht oder erst dann, wenn es zu spät ist. Doch was ist konkret damit gemeint?
Donnerstag, 18. Mai 2017
Samstag, 8. April 2017
Debattenkultur im Netz - Öffentlichkeit unter den Bedingungen des Web 2.0 und die Möglichkeiten der (Politik- und Ethik-)Didaktik
Heute, unter den Bedingungen des Web 2.0, also der Möglichkeit in einem digitalen Raum in Sekundenschnelle Texte, Videos, Bilder und andere Medieninhalte kostengünstig bis kostenlos zu verbreiten, scheint die Idee der sich selbst wieder in die Öffentlichkeit einbringenden Gesellschaftsmitglieder greifbarer als je zuvor. Denn nie zuvor war es so einfach, günstig und gleichzeitig effektiv, selbsterstelle Inhalte herzustellen und zu teilen, aber auch die erstellten Inhalte anderer zu erhalten. Nie zuvor verschwammen und verschwanden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten, wie unter den Bedingungen des Web 2.0. Axel Bruns nutzt dafür, für die Hybridisierung des Produzenten und Nutzers, den Begriff des Produtzers oder Produsers (vgl. Bruns 2009, 65).
Mit der mittlerweile fast jedem gegebenen Möglichkeit, mit einem Mausklick Öffentlichkeit zu schaffen bzw. sich an (quasi-)öffentlichen Diskussionen und Aushandlungsprozessen zu beteiligen, wären also alle Voraussetzungen geschaffen, um die demokratische Öffentlichkeit so zu verbessern, wie Habermas sie sich idealerweise vorgestellt hat: Als „Ort politischer Diskussionen und Willensbildung“ (Brunkhorst 2006, 124), in dem möglichst keine „Hegemoniebildung“ (ebd.) gegeben ist. Denn jeder kann sich überall informieren, fast überall kritisieren und selbst – ressourcenschonend bzw. nicht ressourcenaufwändig – Inhalte verfassen und dies auch noch kostenlos und schnell. Doch die Realität sieht anders aus.
Montag, 30. Januar 2017
Wikipedia - eine zuverlässige Quelle?
Tagtäglich nutzen wir die Wikipedia. Wenige Klicks und alles ist erklärt. Geklärt ist damit aber noch lange nichts. Wer steckt hinter der Wikipedia? Was ist die Idee dieses Projekts? Zeit, einen Blick hinter die Fassade von Wikipedia zu werfen, die mehr zu sein scheint als ein bloßes Nachschlagewerk im Internet.
Allgemeine Informationen
Gegründet wurde Wikipedia am 15. Januar 2001 u.a. von Jimmy Wales, einem US-Amerikaner. Wikipedia war nicht sein erstes Projekt in dieser Richtung, aber das mit Abstand erfolgreichste. Binnen weniger Jahre etablierte sich die Online-Enzyklopädie im Alltag vieler Menschen. Das Erfolgsrezept: Jeder kann an den Artikeln mitarbeiten und neue Themen beschreiben. So sammelt die Wikipedia das Wissen von Vielen, macht es in 291 Sprachversionen mit insgesamt rund 35 Millionen Artikeln kostenlos und öffentlich verfügbar. Wichtige Ereignisse finden meist noch am selben Tag ihren Eintrag in die Wikipedia. Mit dieser hohen Aktualität kann kein gedrucktes Nachschlagewerk mithalten. Ein weiterer Vorteil eines Online-Nachschlagewerks ist das Einfügen von Links, die direkt zu anderen Einträgen weiterleiten. So werden jeden Tag neue Artikel in der Wikipedia veröffentlicht und Wikipedia ist nunmehr nur eines unter vielen Projekten der Wikimedia Foundation. Wikipedias zentrale Grundprinzipien (Neutralität, freie Inhalte, keine persönlichen Angriffe und das Festhalten an der Enzyklopädie) sollen dazu beitragen, dass die Artikel möglichst geringer Einflussnahme ausgesetzt sind.
Herausforderungen für die Wikipedia
Damit die Wikipedia ein Erfolgsrezept bleibt, gilt es zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Speziell bei der deutschsprachigen Wikipedia gibt es einen Autorenschwund. Lediglich 15% der Autoren schreiben im ersten Jahr mehr als einen Artikel. Es fällt der Online-Enzyklopädie schwer, Autoren dauerhaft zu binden. Diese sind in der deutschsprachigen Ausgabe auch recht homogen. Der Frauenanteil liegt bei gerade einmal 9 bis 16%. Ebenso sinken die Nutzerzahlen der Wikipedia-Seite. Denn Sprachassistenten auf dem Smartphone oder die von Google eingeblendeten Informationskästen erlauben dem Nutzer Informationen aus der Wikipedia zu beziehen, ohne direkt auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel klicken zu müssen. Konkurrenz für die Autoren kommt auch aus den eigenen Reihen. Bei der schwedischen und niederländischen Wikipedia schreiben bereits Computerprogramme eigenständig Artikel – sogenannte bots-generierte Artikel. Noch schreiben sie dabei nur über Käfer und Seen. Doch vielleicht verfügen sie in Zukunft über noch mehr Fähigkeiten und sind in der Lage, gezielt Einfluss zu nehmen.
Tipps zur Prüfung von Wikipedia-Einträgen
Obwohl die deutsche Wikipedia über eine starke und effektive Struktur verfügt Artikel vor negativen Einflüssen zu schützen, und die vier Grundprinzipien der Wikipedia klare Vorgaben zum Inhalt eines Artikels geben, kann es dennoch zu Vandalismus und Manipulationen kommen. Auch die sogenannten Edit-Wars tauchen bei kontroversen Themen auf. Daher ist es ratsam, Artikel nochmal gesondert auf Zuverlässigkeit zu prüfen:
Verfasst von Anselm Gross und Christina Ramirez
Allgemeine Informationen
Gegründet wurde Wikipedia am 15. Januar 2001 u.a. von Jimmy Wales, einem US-Amerikaner. Wikipedia war nicht sein erstes Projekt in dieser Richtung, aber das mit Abstand erfolgreichste. Binnen weniger Jahre etablierte sich die Online-Enzyklopädie im Alltag vieler Menschen. Das Erfolgsrezept: Jeder kann an den Artikeln mitarbeiten und neue Themen beschreiben. So sammelt die Wikipedia das Wissen von Vielen, macht es in 291 Sprachversionen mit insgesamt rund 35 Millionen Artikeln kostenlos und öffentlich verfügbar. Wichtige Ereignisse finden meist noch am selben Tag ihren Eintrag in die Wikipedia. Mit dieser hohen Aktualität kann kein gedrucktes Nachschlagewerk mithalten. Ein weiterer Vorteil eines Online-Nachschlagewerks ist das Einfügen von Links, die direkt zu anderen Einträgen weiterleiten. So werden jeden Tag neue Artikel in der Wikipedia veröffentlicht und Wikipedia ist nunmehr nur eines unter vielen Projekten der Wikimedia Foundation. Wikipedias zentrale Grundprinzipien (Neutralität, freie Inhalte, keine persönlichen Angriffe und das Festhalten an der Enzyklopädie) sollen dazu beitragen, dass die Artikel möglichst geringer Einflussnahme ausgesetzt sind.
Herausforderungen für die Wikipedia
Damit die Wikipedia ein Erfolgsrezept bleibt, gilt es zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Speziell bei der deutschsprachigen Wikipedia gibt es einen Autorenschwund. Lediglich 15% der Autoren schreiben im ersten Jahr mehr als einen Artikel. Es fällt der Online-Enzyklopädie schwer, Autoren dauerhaft zu binden. Diese sind in der deutschsprachigen Ausgabe auch recht homogen. Der Frauenanteil liegt bei gerade einmal 9 bis 16%. Ebenso sinken die Nutzerzahlen der Wikipedia-Seite. Denn Sprachassistenten auf dem Smartphone oder die von Google eingeblendeten Informationskästen erlauben dem Nutzer Informationen aus der Wikipedia zu beziehen, ohne direkt auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel klicken zu müssen. Konkurrenz für die Autoren kommt auch aus den eigenen Reihen. Bei der schwedischen und niederländischen Wikipedia schreiben bereits Computerprogramme eigenständig Artikel – sogenannte bots-generierte Artikel. Noch schreiben sie dabei nur über Käfer und Seen. Doch vielleicht verfügen sie in Zukunft über noch mehr Fähigkeiten und sind in der Lage, gezielt Einfluss zu nehmen.
Tipps zur Prüfung von Wikipedia-Einträgen
Obwohl die deutsche Wikipedia über eine starke und effektive Struktur verfügt Artikel vor negativen Einflüssen zu schützen, und die vier Grundprinzipien der Wikipedia klare Vorgaben zum Inhalt eines Artikels geben, kann es dennoch zu Vandalismus und Manipulationen kommen. Auch die sogenannten Edit-Wars tauchen bei kontroversen Themen auf. Daher ist es ratsam, Artikel nochmal gesondert auf Zuverlässigkeit zu prüfen:
- Zunächst kann man den Artikelnamen bei Wikibu eingeben und ihn auf erste Auffälligkeiten überprüfen. Auf der linken Seite wird eine Punktevergabe angezeigt und eventuelle Unstimmigkeiten, die herausstechen.
- Man kann sich in dieser linken Spalte außerdem die Versionsgeschichte anzeigen lassen, um sich einen Überblick zu verschaffen, wieviel und was genau an dem Artikel verändert wurde. Neben der Entstehung des Artikels kann man hier beim Vergleich älterer Versionen genau nachvollziehen, ob die Änderungen berechtigt waren oder nicht, da die entsprechenden Änderungen gekennzeichnet werden.
- Sollte man in der Versionsgeschichte auf sehr häufige Änderungen und darauffolgende Rückänderungen stoßen, ist es ratsam, sich die Diskussionseite zum Artikel genauer anzuschauen, da Argumente und Gründe für Änderungen hier diskutiert werden. Am Tonfall der Diskussion lässt sich auch ermitteln, wie sachlich die Diskussion verlaufen ist.
- Möchte man noch gründlicher die Zuverlässiglkeit von Wikipedia prüfen, kann man die Quellenangaben im Artikel genauer unter die Lupe nehmen, um zu prüfen, ob sie relevant sind und richtig zitiert wurde.
Verfasst von Anselm Gross und Christina Ramirez
Mittwoch, 21. Dezember 2016
Debattenkultur im Netz - Öffentlichkeit unter den Bedingungen des Web 2.0 und die Folgen für die und Möglichkeiten der (Politik- und Ethik-)Didaktik
Hatte Jürgen Habermas in seiner Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit noch
beklagt, dass wirtschaftlich bedingte Kapital- und Machtkonzentrationen die
Idee der bürgerlichen Öffentlichkeit zerstörten, da sie die Möglichkeit eines
diskursiven Austauschs zwischen Gleichen unterliefen und den Weg für vermehrte
einseitige Kommunikation freigaben (vgl. Habermas 1990, 228ff.), so kann man
sagen, dass heute – im Zuge der Digitalisierung – die Voraussetzungen dafür
gegeben wären, auch ohne riesige Kapitalmengen mit Publikationen viele
Rezipient_Innen zu erreichen. Dies könnte die wirtschaftlich bedingten
Ungleichheiten wieder ausgleichen und die one- oder a-few-to-many- zu einer
many-to-many-Kommunikation verändern.
Diese Idee, Medien zu nutzen, um der breiten Masse wieder den Zugang zur Öffentlichkeit zu ermöglichen, ist nicht neu. Bereits Berthold Brecht formulierte in einer seiner theoretischen Schriften – Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks (1932/2008) – dass „[d]er Rundfunk […] aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln [ist]“ (Brecht 1932/2008, 260). So könnte man „die Entscheidungen und Produktionen des Publikums in die Öffentlichkeit leiten“ (ebd., 263), um deren Meinung(en) so dem öffentlichen Diskurs zuzuführen. Ganz so, wie Brecht sich dies dachte, ist es nicht eingetreten. Dies sah er aber auch selbst, wenn er seine Idee als „utopisch“ (ebd.) klassifizierte.
Hans Magnus Enzensberger (1970/2008) hatte gut 40 Jahre später eine ähnliche Idee. Er postulierte, dass die elektronischen Medien, die die Kritische Theorie noch als ein Hauptorgan der „Bewußtseins-Industrie“ (Enzensberger 1970/2008, 266) brandmarkten, eben nicht nur dazu genutzt werden könnten, bestehende gesellschaftliche Verhältnisse zu erhärten. Vielmehr waren die – damals – neuen Medien „ihrer Struktur nach egalitär. Durch einen einfachen Schaltvorgang kann jeder an ihnen teilnehmen; die Programme sind immateriell und beliebig reproduzierbar“ (ebd., 272). Das heißt, sie konnten theoretisch genutzt werden, um auch ökonomisch schwächeren Personengruppen eine Stimme zu verleihen – einfach, weil man mit relativ kleinem Kapitaleinsatz hohe Reichweiten erzielen und Einfluss üben konnte.
Heute, unter den Bedingungen des Web 2.0, also der Möglichkeit, in einem digitalen Raum in Sekundenschnelle Texte, Videos, Bilder und andere Medieninhalte kostengünstig bis kostenlos zu verbreiten, scheint die Idee der sich selbst wieder in die Öffentlichkeit einbringenden Gesellschaftsmitglieder greifbarer als je zuvor. Denn nie zuvor war es so einfach, günstig und gleichzeitig effektiv, selbsterstelle Inhalte herzustellen und zu teilen, aber auch die erstellten Inhalte anderer zu erhalten. Nie zuvor verschwammen und verschwanden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten, wie unter den Bedingungen des Web 2.0. Axel Bruns nutzt dafür, für die Hybridisierung des Produzenten und Nutzers, den Begriff des Produtzers oder Produsers (vgl. Bruns 2009, 1).
Mit dieser mittlerweile fast jedem gegebenen Möglichkeit, mit einem Mausklick Öffentlichkeit zu schaffen bzw. sich an (quasi-)öffentlichen Diskussionen und Aushandlungsprozessen zu beteiligen, wären also alle Voraussetzungen geschaffen, um die demokratische Öffentlichkeit so zu verbessern, wie Habermas sie sich idealerweise vorgestellt hat: als „Ort politischer Diskussionen und Willensbildung“ (Brunkhorst 2006, 124), in dem möglichst keine „Hegemoniebildung“ (ebd.) gegeben ist. Denn jeder kann sich überall informieren, fast überall kritisieren und selbst Inhalte verfassen – und dies auch noch kostenlos und schnell.
Doch die Realität sieht anders aus. Schaut man sich Diskussionen im Netz an – sei es in Foren, in der Kommentarsektion, in Chats oder anderen Formen medialer Kommunikation – merkt man schnell, dass politische Ideologisierungen und sozialpsychologische Phänomene selbige überformen. Allzu schnell werden politische Kampfbegriffe, die sachliche Diskussionen erschweren, ausgetauscht und ein Rückzug in meinungskonforme Bereiche angetreten, um sich dort im wohligen Gefühl der kognitiven Resonanz zu wiegen. Diese Prozesse führen die Möglichkeiten, die die digitalen Medien bereiten, um den öffentlich-demokratischen Prozess zu verbessern, ad absurdum, da sie statt einem öffentlichem Austausch zum Ziele des Findens des personenirrelevanten Wahren und Richtigen dazu führen, dass Personen ihre Welt- und Selbstsicht verabsolutieren und – durch selektive Medienauswahl – in ihrer Verabsolutierungstendenz noch bestärkt werden.
Um dennoch einen freien demokratischen Willensbildungs- und reflektierten Entscheidungsfindungsprozess zu ermöglichen und da eine Gesellschaft auch immer darauf bedacht sein muss, sich selbst zu reproduzieren, ist zu fragen, ob und wenn ja, was gegen diese Entwicklung unternommen werden kann. Denn wenn es der Kern eines demokratischen Systems ist, eine funktionierende – und das heißt diskursfähige – Öffentlichkeit zu haben, so ist zu fragen, wie diese (wieder) hervorgebracht bzw. sichergestellt werden kann, damit sie weiter als demokratische Gesellschaft besteht – vor allem auch unter den Bedingungen des Web 2.0.
Eine der wichtigsten Möglichkeiten, gesellschaftliche Verhältnisse zu reproduzieren, stellt dabei die Erziehung dar (vgl. Gudjons 2012, 205). Denn dort bekommen die Individuen durch Interaktion mit und in Institutionen die Werte und Normen der jeweiligen Gesellschaft bis zu einem gewissen Grade introjiziert mit dem Ziel, dass sie sie internalisieren (vgl. ebd.).
Da Schule wie die Gesellschaft auch funktionell differenziert ist, kommen verschiedenen Fächern dabei verschiedene Erziehungsziele zu. Der Politikunterricht oder wie seine Pendants in den jeweiligen Bundesländern auch heißen mögen, ist dabei dafür da, die Schülerinnen und Schülern für das politische System der Bundesrepublik Deutschland bereit zu machen. Dazu gehört auch, dass sie Diskussionen führen können und an öffentlichen Diskursen teilnehmen können. Kurzum: sie sollen durch den Unterricht befähigt werden, verschiedenste Bereiche des politischen Lebens begreifen, reflektieren und weiterdenken zu können. Dies soll sie in den jeweiligen Handlungsbereichen handlungsfähig machen.
Andere Fächer, wie Ethik oder wie dessen Pendants in den einzelnen Bundesländern auch immer heißen mögen (vgl. Thyen 2015), haben ebenfalls das Ziel, die Schülerinnen und Schüler reflexions- und vor allem diskursfähig zu machen. Beide sollen also unter anderem dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, öffentliche Diskurse führen zu können.
Mit Hinblick auf die aktuelle mediale Situation muss man deshalb fragen, was (Politik- oder Ethik-)Unterricht leisten kann, um Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, das Medienmögliche – zumindest in politischer Sicht – reflektiert zu nutzen. Gibt es didaktische Vorschläge, wie man bei Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen stärkt bzw. stärken kann, die für das Teilnehmen an demokratischen öffentlichen Diskursen notwendig sind?
In der geplanten Arbeit soll eine Antwort auf die letztgestellten Fragen gesucht werden. Dafür soll zunächst in einem ersten Teil eine kurze Abhandlung über den Begriff der Öffentlichkeit und seine demokratietheoretische Bedeutung vorangestellt werden. Dann soll versucht werden, die aktuelle Entwicklung der Debattenkultur im Netz darzustellen – vor allem in sozialen Netzwerken. Das dort beobachtbare Verhalten soll vor allem mit sozialpsychologischen Modellen erfasst und erklärt werden. Denn sozialpsychologische Phänomene sind nicht nur im Hinblick auf ihre Entstehung gut erforscht, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Möglichkeiten, die es gibt, ihnen zu entgegnen.
Dies hängt zusammen mit dem dritten Schritt, in dem es um die Frage geht, wie man aus Sicht der (Politik- und Ethik-)Didaktik und des durch sie angeleiteten (Politik- und Ethik-)Unterrichts dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler in ihren Kompetenzen zu schulen, die notwendig sind, um am öffentlichen Meinungsbildungsprozess im Internet konstruktiv mitzuwirken. Alles mit dem langfristigen Ziel, die Debattenkultur im Netz insgesamt zu verbessern oder zumindest einen Teil zur Verbesserung beizutragen.
Oder um es realistischer und demütiger auszudrücken: Es soll untersucht werden, inwiefern (Politik- und Ethik-)Unterricht etwas dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, am digitalen Diskurs konstruktiv teilzunehmen - mit der Hoffnung, dass bei einer flächendeckenden Umsetzung der vorgestellten Ideen der digitale Diskurs und die digitale Öffentlichkeit davon profitieren würden.
Diese Idee, Medien zu nutzen, um der breiten Masse wieder den Zugang zur Öffentlichkeit zu ermöglichen, ist nicht neu. Bereits Berthold Brecht formulierte in einer seiner theoretischen Schriften – Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks (1932/2008) – dass „[d]er Rundfunk […] aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln [ist]“ (Brecht 1932/2008, 260). So könnte man „die Entscheidungen und Produktionen des Publikums in die Öffentlichkeit leiten“ (ebd., 263), um deren Meinung(en) so dem öffentlichen Diskurs zuzuführen. Ganz so, wie Brecht sich dies dachte, ist es nicht eingetreten. Dies sah er aber auch selbst, wenn er seine Idee als „utopisch“ (ebd.) klassifizierte.
Hans Magnus Enzensberger (1970/2008) hatte gut 40 Jahre später eine ähnliche Idee. Er postulierte, dass die elektronischen Medien, die die Kritische Theorie noch als ein Hauptorgan der „Bewußtseins-Industrie“ (Enzensberger 1970/2008, 266) brandmarkten, eben nicht nur dazu genutzt werden könnten, bestehende gesellschaftliche Verhältnisse zu erhärten. Vielmehr waren die – damals – neuen Medien „ihrer Struktur nach egalitär. Durch einen einfachen Schaltvorgang kann jeder an ihnen teilnehmen; die Programme sind immateriell und beliebig reproduzierbar“ (ebd., 272). Das heißt, sie konnten theoretisch genutzt werden, um auch ökonomisch schwächeren Personengruppen eine Stimme zu verleihen – einfach, weil man mit relativ kleinem Kapitaleinsatz hohe Reichweiten erzielen und Einfluss üben konnte.
Heute, unter den Bedingungen des Web 2.0, also der Möglichkeit, in einem digitalen Raum in Sekundenschnelle Texte, Videos, Bilder und andere Medieninhalte kostengünstig bis kostenlos zu verbreiten, scheint die Idee der sich selbst wieder in die Öffentlichkeit einbringenden Gesellschaftsmitglieder greifbarer als je zuvor. Denn nie zuvor war es so einfach, günstig und gleichzeitig effektiv, selbsterstelle Inhalte herzustellen und zu teilen, aber auch die erstellten Inhalte anderer zu erhalten. Nie zuvor verschwammen und verschwanden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten, wie unter den Bedingungen des Web 2.0. Axel Bruns nutzt dafür, für die Hybridisierung des Produzenten und Nutzers, den Begriff des Produtzers oder Produsers (vgl. Bruns 2009, 1).
Mit dieser mittlerweile fast jedem gegebenen Möglichkeit, mit einem Mausklick Öffentlichkeit zu schaffen bzw. sich an (quasi-)öffentlichen Diskussionen und Aushandlungsprozessen zu beteiligen, wären also alle Voraussetzungen geschaffen, um die demokratische Öffentlichkeit so zu verbessern, wie Habermas sie sich idealerweise vorgestellt hat: als „Ort politischer Diskussionen und Willensbildung“ (Brunkhorst 2006, 124), in dem möglichst keine „Hegemoniebildung“ (ebd.) gegeben ist. Denn jeder kann sich überall informieren, fast überall kritisieren und selbst Inhalte verfassen – und dies auch noch kostenlos und schnell.
Doch die Realität sieht anders aus. Schaut man sich Diskussionen im Netz an – sei es in Foren, in der Kommentarsektion, in Chats oder anderen Formen medialer Kommunikation – merkt man schnell, dass politische Ideologisierungen und sozialpsychologische Phänomene selbige überformen. Allzu schnell werden politische Kampfbegriffe, die sachliche Diskussionen erschweren, ausgetauscht und ein Rückzug in meinungskonforme Bereiche angetreten, um sich dort im wohligen Gefühl der kognitiven Resonanz zu wiegen. Diese Prozesse führen die Möglichkeiten, die die digitalen Medien bereiten, um den öffentlich-demokratischen Prozess zu verbessern, ad absurdum, da sie statt einem öffentlichem Austausch zum Ziele des Findens des personenirrelevanten Wahren und Richtigen dazu führen, dass Personen ihre Welt- und Selbstsicht verabsolutieren und – durch selektive Medienauswahl – in ihrer Verabsolutierungstendenz noch bestärkt werden.
Um dennoch einen freien demokratischen Willensbildungs- und reflektierten Entscheidungsfindungsprozess zu ermöglichen und da eine Gesellschaft auch immer darauf bedacht sein muss, sich selbst zu reproduzieren, ist zu fragen, ob und wenn ja, was gegen diese Entwicklung unternommen werden kann. Denn wenn es der Kern eines demokratischen Systems ist, eine funktionierende – und das heißt diskursfähige – Öffentlichkeit zu haben, so ist zu fragen, wie diese (wieder) hervorgebracht bzw. sichergestellt werden kann, damit sie weiter als demokratische Gesellschaft besteht – vor allem auch unter den Bedingungen des Web 2.0.
Eine der wichtigsten Möglichkeiten, gesellschaftliche Verhältnisse zu reproduzieren, stellt dabei die Erziehung dar (vgl. Gudjons 2012, 205). Denn dort bekommen die Individuen durch Interaktion mit und in Institutionen die Werte und Normen der jeweiligen Gesellschaft bis zu einem gewissen Grade introjiziert mit dem Ziel, dass sie sie internalisieren (vgl. ebd.).
Da Schule wie die Gesellschaft auch funktionell differenziert ist, kommen verschiedenen Fächern dabei verschiedene Erziehungsziele zu. Der Politikunterricht oder wie seine Pendants in den jeweiligen Bundesländern auch heißen mögen, ist dabei dafür da, die Schülerinnen und Schülern für das politische System der Bundesrepublik Deutschland bereit zu machen. Dazu gehört auch, dass sie Diskussionen führen können und an öffentlichen Diskursen teilnehmen können. Kurzum: sie sollen durch den Unterricht befähigt werden, verschiedenste Bereiche des politischen Lebens begreifen, reflektieren und weiterdenken zu können. Dies soll sie in den jeweiligen Handlungsbereichen handlungsfähig machen.
Andere Fächer, wie Ethik oder wie dessen Pendants in den einzelnen Bundesländern auch immer heißen mögen (vgl. Thyen 2015), haben ebenfalls das Ziel, die Schülerinnen und Schüler reflexions- und vor allem diskursfähig zu machen. Beide sollen also unter anderem dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, öffentliche Diskurse führen zu können.
Mit Hinblick auf die aktuelle mediale Situation muss man deshalb fragen, was (Politik- oder Ethik-)Unterricht leisten kann, um Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, das Medienmögliche – zumindest in politischer Sicht – reflektiert zu nutzen. Gibt es didaktische Vorschläge, wie man bei Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen stärkt bzw. stärken kann, die für das Teilnehmen an demokratischen öffentlichen Diskursen notwendig sind?
In der geplanten Arbeit soll eine Antwort auf die letztgestellten Fragen gesucht werden. Dafür soll zunächst in einem ersten Teil eine kurze Abhandlung über den Begriff der Öffentlichkeit und seine demokratietheoretische Bedeutung vorangestellt werden. Dann soll versucht werden, die aktuelle Entwicklung der Debattenkultur im Netz darzustellen – vor allem in sozialen Netzwerken. Das dort beobachtbare Verhalten soll vor allem mit sozialpsychologischen Modellen erfasst und erklärt werden. Denn sozialpsychologische Phänomene sind nicht nur im Hinblick auf ihre Entstehung gut erforscht, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Möglichkeiten, die es gibt, ihnen zu entgegnen.
Dies hängt zusammen mit dem dritten Schritt, in dem es um die Frage geht, wie man aus Sicht der (Politik- und Ethik-)Didaktik und des durch sie angeleiteten (Politik- und Ethik-)Unterrichts dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler in ihren Kompetenzen zu schulen, die notwendig sind, um am öffentlichen Meinungsbildungsprozess im Internet konstruktiv mitzuwirken. Alles mit dem langfristigen Ziel, die Debattenkultur im Netz insgesamt zu verbessern oder zumindest einen Teil zur Verbesserung beizutragen.
Oder um es realistischer und demütiger auszudrücken: Es soll untersucht werden, inwiefern (Politik- und Ethik-)Unterricht etwas dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, am digitalen Diskurs konstruktiv teilzunehmen - mit der Hoffnung, dass bei einer flächendeckenden Umsetzung der vorgestellten Ideen der digitale Diskurs und die digitale Öffentlichkeit davon profitieren würden.
Literatur
Brecht, Berthold (1932/2008): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Claus Pias et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgebenden Theorien von Brecht bis Baudrillard. München: Deutsche Verlags-Anstalt. 6. Auflage. S. 259 - 263.
Brunkhorst, Hauke (2006): Habermas. Stuttgart: Reclam.
Bruns, Axel (2009): Vom Prosumenten zum Produtzer. In: Blättel-Mink, Birgit / Hellmann, Kai-Uwe (Hrsg.): Prosumer Revisited: Zur Aktualität einer Debatte. Wiesbaden. S. 191–205. Online-Quelle: http://snurb.info/files/Vom%20Prosumenten%20zum%20Produtzer%20(final).pdf (Stand: 21.12.2016).
Enzensberger, Hans Magnus (1970/2008): Baukasten zu einer Theorie der Medien. In: Claus Pias et al. (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgebenden
Theorien von Brecht bis Baudrillard. München: Deutsche Verlags-Anstalt.
6. Auflage. S. 264 - 278.
Gudjons, Herbert (2012): Pädagogisches Grundwissen: Überblick - Kompendium - Studienbuch. Stuttgart: UTB GmbH. 11. Auflage.
Habermas, Jürgen (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit.
Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft.
Frankfurt: Suhrkamp Verlag.
Thyen, Anke (2015): Ethikunterricht. In: WiReLex – Wissenschaftlich-Religionspädagogisches Lexikon im Internet. Hg. von Mirjam Zimmermann/Heike Lindner. 2015 Online-Quelle: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/100092/ (Stand: 21.12.2016).
Dienstag, 15. April 2014
LfM: Vernetzte Öffentlichkeit
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Soeben erschienen: Recherche 2.0
Nun ist es (endlich) erschienen, unser neues Buch: "Recherche 2.0. Finden und Weiterverarbeiten in Studium und Beruf". Jürgen Plieninger, Christian Rapp und ich versuchen darin, eine praxisnahe Anleitung zur professionellen Internetrecherche und zum webbasierten Wissensmanagement zu geben. Im Klappentext steht:
"Diese Einführung unterscheidet sich von anderen, indem sie breit in die wissenschaftliche Internetrecherche einführt, das methodische Vorgehen und die Analyse der Ergebnisse eingehend behandelt und vor allem die Recherche in und mit Hilfe von Web 2.0-Diensten systematisch berücksichtigt. Dabei wird die Recherche als Teil des umfassenderen Ablaufs „Finden – Bewerten – Festhalten – Auf dem Laufenden bleiben” begriffen. Es werden also über die Recherche hinaus Werkzeuge vorgestellt, mit denen man die Ergebnisse festhalten kann (Notizbücher, soziale Bookmarkdienste und Literaturverwaltung) und es wird behandelt, wie man bezogen auf seine Themen und auf das Recherchieren selbst up to date bleibt. Ein Buch aus der Praxis für die Praxis: für Wissenschaftler, für Studierende und für jene, die bereits im Beruf sind und methodisch umfassend und effektiv das wissenschaftliche Recherchieren lernen wollen."
Eine ausführliche Beschreibung des Inhalts findet sich auf der Agora-Website. Kaufen kann man das Buch zum Beispiel bei Amazon:
"Diese Einführung unterscheidet sich von anderen, indem sie breit in die wissenschaftliche Internetrecherche einführt, das methodische Vorgehen und die Analyse der Ergebnisse eingehend behandelt und vor allem die Recherche in und mit Hilfe von Web 2.0-Diensten systematisch berücksichtigt. Dabei wird die Recherche als Teil des umfassenderen Ablaufs „Finden – Bewerten – Festhalten – Auf dem Laufenden bleiben” begriffen. Es werden also über die Recherche hinaus Werkzeuge vorgestellt, mit denen man die Ergebnisse festhalten kann (Notizbücher, soziale Bookmarkdienste und Literaturverwaltung) und es wird behandelt, wie man bezogen auf seine Themen und auf das Recherchieren selbst up to date bleibt. Ein Buch aus der Praxis für die Praxis: für Wissenschaftler, für Studierende und für jene, die bereits im Beruf sind und methodisch umfassend und effektiv das wissenschaftliche Recherchieren lernen wollen."
Eine ausführliche Beschreibung des Inhalts findet sich auf der Agora-Website. Kaufen kann man das Buch zum Beispiel bei Amazon:
Sonntag, 24. März 2013
Unversöhnliche Debatten rund um das Internet
Es wäre so wichtig, fruchtbare Debatten rund um Internet und Digitalisierung zu führen, aber irgendwie gelingt es nicht. Dass das nicht unbedingt daran liegen muss, dass die (jeweilige) Gegenseite keine Ahnung hat, versucht das sehr gelungene neue Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo aufzuzeigen:
Dieses Buch hätten wahrscheinlich alle gerne geschrieben, die wie der Autor dieser Zeilen einen Gutteil ihrer Arbeitszeit mit dem Versuch verbringen, anderen die praktischen Vorzüge von Digitalisierung und Internet näherzubringen, oder in Vorträgen und Seminaren über die Folgen des Web (2.0) räsonieren. Denn sie alle kennen die unfruchtbaren Konfrontationen über Facebook, Wikipedia und all die anderen Dienste. Und sie alle wissen, dass es auf Dauer nicht weiterhilft, wenn man insgeheim denkt, dass auf der (jeweiligen) Gegenseite Hopfen und Malz verloren sei.
Ziel des Buches ist es, die Debatten zwischen Optimisten und Skeptikern zu verbessern:
Fazit: unbedingt lesen, egal ob Einsteigerin oder Fortgeschrittener in den Debatten um Digitalisierung!
Dieses Buch hätten wahrscheinlich alle gerne geschrieben, die wie der Autor dieser Zeilen einen Gutteil ihrer Arbeitszeit mit dem Versuch verbringen, anderen die praktischen Vorzüge von Digitalisierung und Internet näherzubringen, oder in Vorträgen und Seminaren über die Folgen des Web (2.0) räsonieren. Denn sie alle kennen die unfruchtbaren Konfrontationen über Facebook, Wikipedia und all die anderen Dienste. Und sie alle wissen, dass es auf Dauer nicht weiterhilft, wenn man insgeheim denkt, dass auf der (jeweiligen) Gegenseite Hopfen und Malz verloren sei.
Ziel des Buches ist es, die Debatten zwischen Optimisten und Skeptikern zu verbessern:
"Dieses Buch soll beiden vermitteln, dass die andere Seite Gründe für ihre Haltung hat und nicht aus unbegreiflich vernagelten Personen besteht. Oder jedenfalls nicht nur" (S. 9).Dabei werden auf unterhaltsame und geistreiche Weise die wichtigsten Fragen rund um Internet, digitaler Gesellschaft und Netzpolitik behandelt, etwa Disruption, Beschleunigung, Informationsüberflutung, Kollaboration, Regulierung, Datenschutz oder Urheberrecht.
Fazit: unbedingt lesen, egal ob Einsteigerin oder Fortgeschrittener in den Debatten um Digitalisierung!
Freitag, 2. November 2012
Neuerscheinung zu den Auswirkungen von Web 2.0 und Digitalisierung
In der edition unseld ist ein weiteres lesenswertes Buch zum Thema Web 2.0 (bzw. Digitalisierung) und dessen (bzw. deren) Auswirkungen erschienen:
Mercedes Bunz: Die stille Revolution. Wie Algorithmen Wissen, Arbeit, Öffentlichkeit und Politik verändern, ohne dabei viel Lärm zu machen (Suhrkamp, edition unseld, 2012).
Inhaltlich schließt das Buch an mein Lamento über die Einseitigkeit des Diskurses zum Web 2.0 in Deutschland an, geht aber weit darüber hinaus, indem es versucht, der einseitigen Betonung der Gefahren in der deutschen Debatte auf den Grund zu gehen. Mittels knapper und sehr prägnanter historischer Analogien macht die Autorin das Unbehagen angesichts neuer disruptiver Technologien verständlich (Angst vor Maschinen) und führt den Leser an das zentrale Anliegen heran:
Auch die weiteren Kapitel - etwa zur digitalen Öffentlichkeit oder zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf weitere Bereiche der Gesellschaft - sind hervorragend gelungen und eine durch und durch anregende Lektüre:
Mercedes Bunz: Die stille Revolution. Wie Algorithmen Wissen, Arbeit, Öffentlichkeit und Politik verändern, ohne dabei viel Lärm zu machen (Suhrkamp, edition unseld, 2012).
Inhaltlich schließt das Buch an mein Lamento über die Einseitigkeit des Diskurses zum Web 2.0 in Deutschland an, geht aber weit darüber hinaus, indem es versucht, der einseitigen Betonung der Gefahren in der deutschen Debatte auf den Grund zu gehen. Mittels knapper und sehr prägnanter historischer Analogien macht die Autorin das Unbehagen angesichts neuer disruptiver Technologien verständlich (Angst vor Maschinen) und führt den Leser an das zentrale Anliegen heran:
"Für die Gesellschaft ist es an der Zeit, die Digitalisierung nicht nur zu fürchten, sondern zu nutzen" (S. 82).Genau das ist auch der Grundtenor meines Online-Lehrbuchs zum Web 2.0, und auch sonst finden sich zahlreiche Überschneidungen, die sich - so wäre zu wünschen - wechselseitig erhellen. Das trifft beispielweise gleich auf das erste Kapitel zu ("Als die Algorithmen schreiben lernten"), das - angelehnt an David Weinbergers hervorragendes Buch "Too Big to Know" - der Frage nachgeht, wie sich das Wissen selbst durch die Digitalisierung verändert (vgl. etwa den Abschnitt zu "Denken 2.0" im Online-Lehrbuch).
Auch die weiteren Kapitel - etwa zur digitalen Öffentlichkeit oder zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf weitere Bereiche der Gesellschaft - sind hervorragend gelungen und eine durch und durch anregende Lektüre:
Dienstag, 30. Oktober 2012
hr2 startet Funkkolleg "Wirklichkeit 2.0"
Kommenden Samstag (03.11.2012) startet der vielversprechende hr2
Funkkolleg Medien mit dem Thema "Wirklichkeit 2.0 - Medienkultur im digitalen Zeitalter".
Ausgestrahlt werden die Sendungen auf hr2-kultur jeweils samstags um
11:30 Uhr und nochmals auf hr-iNFO jeweils sonntags um 8:30 Uhr.
Den Podcast der Sendungen gibt es auf www.funkkolleg.de. Auf der begleitenden Website erhält man alle weiterführenden Informationen (z.B. zu den Themen und Sendungen) und kann sich für den offenen Online-Kurs anmelden.
Das Begleitbuch, ein klassischer Reader angelsächsischer Prägung, mit kurzen Texten zu den vielen Themen, die in den nächsten Wochen im Rahmen des Funkkollegs behandelt werden, ist bereits bei Reclam erschienen:
Heute abend findet im Haus am Dom in Frankfurt/Main die Auftaktveranstaltung statt mit dem Titel “Digitale Demokratie – Wie politisch ist das Internet?”. Es diskutieren Markus Beckedahl (netzpolitischer Aktivist aus Berlin und Begründer des Blogs netzpolitik.org, Autor von ”Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage”), Anke Domscheit-Berg (Mitbegründerin des Government 2.0 Netzwerks) und Prof. Dr. Claus Leggewie (Politologe und Autor von “Mut statt ‘Wut - Aufbruch in eine neue Demokratie” sowie “Unter Piraten - Erkundungen in einer neuen politischen Arena”).
Das Begleitbuch, ein klassischer Reader angelsächsischer Prägung, mit kurzen Texten zu den vielen Themen, die in den nächsten Wochen im Rahmen des Funkkollegs behandelt werden, ist bereits bei Reclam erschienen:
Heute abend findet im Haus am Dom in Frankfurt/Main die Auftaktveranstaltung statt mit dem Titel “Digitale Demokratie – Wie politisch ist das Internet?”. Es diskutieren Markus Beckedahl (netzpolitischer Aktivist aus Berlin und Begründer des Blogs netzpolitik.org, Autor von ”Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage”), Anke Domscheit-Berg (Mitbegründerin des Government 2.0 Netzwerks) und Prof. Dr. Claus Leggewie (Politologe und Autor von “Mut statt ‘Wut - Aufbruch in eine neue Demokratie” sowie “Unter Piraten - Erkundungen in einer neuen politischen Arena”).
Samstag, 15. September 2012
Empfehlenswerter Sammelband zum Thema Datenschutz
Neben dem Urheberrecht
zählt der Datenschutz zu den umstrittenen Themen, die immer größere Beachtung finden und den Kern dessen ausmachen, was man als "Netzpolitik" bezeichnet. Dankenswerterweise
hat die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
nun einen umfassenden Sammelband zu diesem Thema veröffentlicht:
Jan-Hinrik Schmidt / Thilo Weichert (Hrsg.) (2012), Datenschutz. Grundlagen, Entwicklungen und Kontroversen, Bonn bpb (Online-Bestellung bei der bpb für 4,50 EUR).
Jan-Hinrik Schmidt / Thilo Weichert (Hrsg.) (2012), Datenschutz. Grundlagen, Entwicklungen und Kontroversen, Bonn bpb (Online-Bestellung bei der bpb für 4,50 EUR).
Freitag, 7. September 2012
BpB startet Debatte zu politischer Bildung 2.0
Vor wenigen Tagen ist auf dem - an dieser Stelle schon häufig empfohlenen - #pb21-Blog ein Beitrag von Guido Brombach erschienen mit dem Titel: "Welche Kompetenzen braucht politische Bildung 2.0?", der kurze Zeit später auch als Gastbeitrag auf der Website der BpB veröffentlicht wurde, dort mit dem Ziel, eine Debatte zu eröffnen.
Im Kern geht es darum, dass zu den bisherigen inhaltlichen, methodisch-didaktischen und allgemein-pädagogischen Fertigkeiten, über die politische BildnerInnen (im Idealfall) verfügen (sollten), nun das hinzutreten muss, was man meistens als digital literacy oder Medienkompetenz bezeichnet. Dem ist ohne Zweifel zuzustimmen, auch wenn politische BildnerInnen (aus guten Gründen) häufig schon mit den bisherigen Kompetenzen und Anforderungen (auch ohne die digitale Komponente) überfordert waren.
Übrigens würde auch anderen BildnerInnen ein möglichst hohes Maß an digital literacy gut zu Gesicht stehen, warum also ist der Beitrag nicht überschrieben mit "Welche Kompetenzen braucht man, wenn man im Bildungsbereich arbeitet"? Was ist das für die politische Bildung spezifische? Brombachs Antwort lautet: Partizipation. Und hier setzt meine Kritik ein.
Seit einigen Jahren ist Partizipation das Modewort in der politischen Bildung. Brombach scheint davon auszugehen, dass politische Bildung nur dann erfolgreich ist, wenn am Schluss Partizipation praktiziert wird, also die Seminargruppe zumindest eine Online-Petition auf der Website des Bundestags einreicht oder ein anderes der durch die Digitalisierung und das Web 2.0 hinzugekommenen Instrumente nutzt.
Nun bin ich seit über zwei Jahrzehnten in der politischen Bildung tätig und habe mit fast jeder denkbaren Zielgruppe (Schülerinnen, Studenten, Lehrerinnen, Professoren, Ministerialbürokratie, Polizei, Armee, Journalisten, Bauernverbände etc.) gearbeitet, und das in vielen verschiedenen settings (Universität, Akademien, NGOs etc.). Lasse ich nun meine Erfahrungen Revue passieren, so komme ich zu dem ernüchternden Schluss, dass es in aller Regel gar nicht sinnvoll gewesen wäre, als Seminarergebnis eine gemeinsame Petition zu verfassen.
Nach Brombach waren meine Bemühungen um politische Bildung damit erfolglos, weil die entscheidende Komponente, Partizipation, fehlte. Oder ich habe einfach zu oft die falschen Themen behandelt, nämlich diejenigen, die sich nicht mit Partizipation krönen lassen. Und hier kommen wir zum Kern meiner Kritik:
Wenn Partizipation eine zu große Rolle spielt, dann werden bevorzugt Themen behandelt, die sich dafür eignen (oder für eine Partizipations-Illusion, aber das ist ein anderer Kritikpunkt). Das sind in der Regel nicht die komplexen und/oder globalen Themen, politische Bildung droht dann zu einer provinzialistischen civic education bzw. EDC (Education for Democratic Citizenship), zumindest aber einseitig zu werden.
Wenn die TeilnehmerInnen in meinen Seminaren am Schluss in der Lage waren, sich selbständig ein fundiertes Urteil über die behandelte Thematik zu bilden, war ich zufrieden. Ob sie sich darüber hinaus - wenn überhaupt die Möglichkeit bestand - in irgendeiner Form in den politischen Prozess eingebracht haben, habe ich gerne ihnen selbst überlassen, denn die Freiheit, sich nicht zu beteiligen, bildet eine große Errungenschaft der Demokratie, auch und gerade im Gegensatz zu totalitären Systemen.
Im Kern geht es darum, dass zu den bisherigen inhaltlichen, methodisch-didaktischen und allgemein-pädagogischen Fertigkeiten, über die politische BildnerInnen (im Idealfall) verfügen (sollten), nun das hinzutreten muss, was man meistens als digital literacy oder Medienkompetenz bezeichnet. Dem ist ohne Zweifel zuzustimmen, auch wenn politische BildnerInnen (aus guten Gründen) häufig schon mit den bisherigen Kompetenzen und Anforderungen (auch ohne die digitale Komponente) überfordert waren.
Übrigens würde auch anderen BildnerInnen ein möglichst hohes Maß an digital literacy gut zu Gesicht stehen, warum also ist der Beitrag nicht überschrieben mit "Welche Kompetenzen braucht man, wenn man im Bildungsbereich arbeitet"? Was ist das für die politische Bildung spezifische? Brombachs Antwort lautet: Partizipation. Und hier setzt meine Kritik ein.
Seit einigen Jahren ist Partizipation das Modewort in der politischen Bildung. Brombach scheint davon auszugehen, dass politische Bildung nur dann erfolgreich ist, wenn am Schluss Partizipation praktiziert wird, also die Seminargruppe zumindest eine Online-Petition auf der Website des Bundestags einreicht oder ein anderes der durch die Digitalisierung und das Web 2.0 hinzugekommenen Instrumente nutzt.
Nun bin ich seit über zwei Jahrzehnten in der politischen Bildung tätig und habe mit fast jeder denkbaren Zielgruppe (Schülerinnen, Studenten, Lehrerinnen, Professoren, Ministerialbürokratie, Polizei, Armee, Journalisten, Bauernverbände etc.) gearbeitet, und das in vielen verschiedenen settings (Universität, Akademien, NGOs etc.). Lasse ich nun meine Erfahrungen Revue passieren, so komme ich zu dem ernüchternden Schluss, dass es in aller Regel gar nicht sinnvoll gewesen wäre, als Seminarergebnis eine gemeinsame Petition zu verfassen.
Nach Brombach waren meine Bemühungen um politische Bildung damit erfolglos, weil die entscheidende Komponente, Partizipation, fehlte. Oder ich habe einfach zu oft die falschen Themen behandelt, nämlich diejenigen, die sich nicht mit Partizipation krönen lassen. Und hier kommen wir zum Kern meiner Kritik:
Wenn Partizipation eine zu große Rolle spielt, dann werden bevorzugt Themen behandelt, die sich dafür eignen (oder für eine Partizipations-Illusion, aber das ist ein anderer Kritikpunkt). Das sind in der Regel nicht die komplexen und/oder globalen Themen, politische Bildung droht dann zu einer provinzialistischen civic education bzw. EDC (Education for Democratic Citizenship), zumindest aber einseitig zu werden.
Wenn die TeilnehmerInnen in meinen Seminaren am Schluss in der Lage waren, sich selbständig ein fundiertes Urteil über die behandelte Thematik zu bilden, war ich zufrieden. Ob sie sich darüber hinaus - wenn überhaupt die Möglichkeit bestand - in irgendeiner Form in den politischen Prozess eingebracht haben, habe ich gerne ihnen selbst überlassen, denn die Freiheit, sich nicht zu beteiligen, bildet eine große Errungenschaft der Demokratie, auch und gerade im Gegensatz zu totalitären Systemen.
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