Freitag, 27. Januar 2012

Politikdidaktik in Deutschland und das Web 2.0

Das Ritual ist bekannt: Jährlich bricht sich die geballte Kompetenz der deutschen Politikdidaktik Bahn in einem bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlichen Sammelband. In diesem Jahr war es schon im Januar soweit und gestern habe ich den Band "Politisch Handeln" erhalten.

Man fasst es nicht: Im Jahr 2012 befassen sich sage und schreibe 5 von 352 Seiten mit dem Thema Web 2.0 (1,42%). Das reicht nicht einmal, um als Feigenblatt gelten zu können. Und übrigens: Diese 5 Seiten hat ein 19-jähriger Schüler geschrieben. Wenn das keiner Bankrotterklärung für die etablierte Politikdidaktik gleichkommt...

Mit der gleichen Lieferung habe ich übrigens auch den Sammelband "Politische Bildung in der Weltgesellschaft" bekommen - und was soll ich sagen: Internet und Web 2.0 spielen so gut wie keine Rolle. In einem "Fallbeispiel" werden unter dem Titel "Globalisierung durch die Informationstechnologie" auf 3 Seiten im Sinne eines Glossars (Fallbeispiel!?) folgende Begriffe mit jeweils zwei Sätzen erklärt: Internet, Wikipedia, Enzyklopädie, YouTube, Frei zugängliche Software, Weisheit der Massen? und Digitale Kluft. Es handelt sich also um einen völlig sinnentleerten Einschub.

Kein Wort davon, dass es mit dem Web 2.0 nun tatsächlich problemlos möglich ist, das einzulösen, was das Konzept "Globales Lernen" seit Jahrzehnten fordert. Kein Wort von "Personal Learning Networks", wie sie etwa Will Richardson in seinem jüngsten Buch empfiehlt.

Quizfrage: Gibt es im "Handbuch Medien in der politischen Bildung" der BpB aus dem Jahr 2010 einen Eintrag zum Stichwort "Web 2.0"?

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