Die aktuelle Ausgabe 46-47/2017 der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ)
befasst sich mit dem Thema Darknet und steht im Volltext kostenlos zur Verfügung. Die Kurzbeschreibung auf der Website der Bundeszentrale
für politische Bildung (bpb) lautet:
Spätestens nachdem im Juli 2016 ein 18-jähriger Schüler am Münchner
Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschoss, ist auch der deutschen
Öffentlichkeit das Phänomen "Darknet" bekannt. Hier soll der Attentäter
den Kauf der Tatwaffe angebahnt haben. In den Schlagzeilen erschien das
Darknet entsprechend als anrüchige, "dunkle" Seite des Internets. In der Berichterstattung über das Darknet wird aber auch seine
"helle" Seite betont: Die absolute Anonymität bietet Menschenrechtlern,
Journalistinnen und Whistleblowern in repressiven Staaten Schutz vor
politischer Verfolgung. Für sie ist das Darknet oft die einzige
Möglichkeit, sich politisch zu engagieren und der staatlichen
Überwachung zu entkommen.
Die Ausgabe umfasst die folgenden Aufsätze:
Stefan Mey: "Tor" in eine andere Welt? Begriffe, Technologien und Widersprüche des Darknets - Das Darknet gilt als Gegenentwurf zum World Wide Web und will eine vor Überwachung geschützte unzensierte Kommunikation ermöglichen. Wie zu erwarten, wird die gebotene Anonymität auf gesellschaftlich erwünschte wie ethisch unerwünschte Weise genutzt.
Otto Hostettler: Hilflose Ermittler. Warum Kriminelle im Darknet wenig zu befürchten haben - Das Handelsvolumen auf den anonymen Marktplätzen im Darknet hat sich innerhalb der vergangenen Jahre vervielfacht. Die Anonymität bietet Kriminellen ungeahnte Möglichkeiten und stellt Ermittlungsbehörden vor größte Herausforderungen.
Daniel Moßbrucker: Netz der Dissidenten. Die helle Seite im Darknet - Das Darknet bietet Rückzugsräume für Dissidenten und Journalisten. Die Technologie hilft, demokratische Strukturen zu stärken. Der Handel mit Spähsoftware sowie weitgreifende Überwachungsgesetze in vielen Ländern beschneiden diese Räume jedoch zunehmend.
Friedemann Brenneis: Phänomen Bitcoin. Geld, Technologie und gesellschaftliches Ereignis - Vom verruchten Darknet-Geld zur gehypten Digitalwährung mit Milliardenwert: Der Bitcoin hat es innerhalb weniger Jahre weit gebracht. Doch liefert dieses mysteriöse Phänomen mehr Fragen als Antworten. Vor allem: Was ist das eigentlich – und warum ist es noch nicht gescheitert?
Albrecht Beutelspacher: Eine kurze Geschichte der Kryptografie - Die ersten Verfahren der Kryptografie sind militärischen und politischen Ursprungs, und sie spielten sich zwischen Staaten ab. Heute ist Verschlüsselung aus unserem Alltag kaum wegzudenken und ermöglicht uns, die Vertraulichkeit von Kommunikation zu schützen.
Meropi Tzanetakis: Drogenhandel im Darknet. Gesellschaftliche Auswirkungen von Kryptomärkten - Der Onlinehandel mit Drogen ist so alt wie das Internet selbst. Technologische Innnovationen wie neue Verschlüsselungsmethoden haben jedoch zu einem systematischen und weltweiten Vertrieb von verbotenen Substanzen und anderen Produkten im Web beigetragen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat kürzlich einen für dieses Blog unmittelbar einschlägigen Sammelband veröffentlicht:
Gapski, Harald / Oberle, Monika / Staufer, Walter (Hg.) (2017), Medienkompetenz. Herausforderung für Politik, politische Bildung und Medienbildung, bpb Bonn.
Das Buch kann bei der bpb bestellt (4,50 €) oder kostenlos als pdf oder ebook heruntergeladen werden. Die Beschreibung auf der bpb-Website lautet:
Die digitale Transformation der Gesellschaft ist in vollem Gange und
macht auch nicht vor dem politischen System halt: Bots und Big Data
Analysen in Wahlkämpfen, Leaks und Fake News in der Berichterstattung
und neue digitale Partizipationsmodelle verändern die politische
Kommunikation und Willensbildung. Um Verunsicherung über deren
Wirkungsweise zu begegnen ist kritisches Denken gefragt, diese neuen
Phänomene und die Mechanismen zu verstehen. Dabei wachsen Medienbildung
und politische Bildung zusammen. Medienkompetenz kommt eine
Schlüsselrolle als Demokratiekompetenz zu.
Der Schriftenband beschreibt die lange gewachsenen und jetzt aktuellen
Herausforderungen über digitale Gesellschaft und politisches Handeln,
skizziert Medien- und bildungspolitische Positionen, Forderungen und
Strategien und begründet Medienkompetenz als eine Schlüsselkompetenz für
politische Urteils- und Handlungsfähigkeit. Medienkompetenz als Aufgabe
für Politik und Ziel politischer Bildung:
Der Band zeigt Wege in die
Bildungspraxis, Gestaltungsmöglichkeiten der Medienkompetenzförderung
und der Professionalisierung und fordert Politik, politische Bildung und
Medienbildung mit strukturierten Beiträgen zum Handeln auf, die
Digital- und Medienkompetenzen entlang der Bildungskette - von der Kita
bis zur außerschulischen Bildung - zu stärken und neue, zeitgemäße
Formate zu entwickeln. Dieser Schriftenband will Diskurse der
Medienpädagogik/Medienbildung und der Politikdidaktik/politischen
Bildung in einen fruchtbaren Austausch miteinander bringen.
Fake News sind
so alt wie die Medien selbst. Die Veränderung der Medienlandschaft und die
große Beliebtheit sozialer Netzwerke erlauben heute jedoch neue Methoden der
gezielten Manipulation von Nachrichten und Meinungen. Das Online-Profiling ist
heute, dank der technischen Entwicklungen, so effizient und beliebt wie nie -
Personalisierte Werbung wird zu politischem Direktmarketing.
Die
journalistischen Medien, die in einer Demokratie die Aufgabe haben, objektive
Information für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung zu stellen, werden von
den neuen Medien und zahllosen neuen Akteuren zur Seite gedrängt. Deren
Qualität und Verbreitung ist jedoch nicht an Standards gebunden – meist zählen
nur die Reichweite und das gewählte Agenda-Setting.
Mit einem Blick auf das Buch
„Der (des)informierte Bürger im Netz“ von Wolfgang Schweiger und weiteren Beobachtungen
aus Forschung und Wissenschaft soll ein Nachdenken über die Frage, ob
Fake-News, Social Bots & Co eine Gefahr für die Meinungsbildung der
Bürgerinnen und Bürger sind, angeregt werden. Außerdem soll anhand von zwei
aktuellen Beispielen gezeigt werden, welche
Organisationen die kritisierten Methoden wie Social Bots oder die gezielte
Manipulation journalistischer Medien anwenden.
Eine Petition über die Affenversuche am Max Planck Institut in Tübingen.
An drei Instituten in Tübingen werden Rhesusaffen in der Hirnforschung gequält. Sie werden durch Durst gezwungen, jeden Tag stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Über ein Bohrloch im Schädel werden Elektroden in das Gehirn eingeführt. Die Qual der Tiere kann Jahre dauern. Der Nutzen für kranke Menschen ist gleich Null. In Berlin und München wurden in den letzten Jahren gleichartige Tierversuche aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens nicht mehr genehmigt.
Seminarplanung at its best: Heute, am 12. Juli, dem "Internet-Wide Day of Action to Save Net Neutrality" steht das Thema Netzneutralität auf dem Programm: Join the Day of Action...
In der vergangenen Seminarsitzung haben wir auf Viktor Mayer-Schönberger Bezug genommen. Hier nun in voller Länge sein Vortrag "Big Data. Wie wir in Zukunft leben werden". Die folgende Aufzeichnung stammt aus einer Vortragreihe der HU Berlin aus dem letzten Jahr.
Mayer-Schönberger nennt viele Beispiele, wie Big Data bereits verwendet wird oder in Zuklunft noch Verwendung finden kann. Gegen Ende seines Vortrages wagt er einen Ausblick zu Big Data und macht auch auf Probleme und mögliche Gefahren aufmerksam:
"Korrelation ist eben nicht Kausalität. In dem Moment, wo wir Korrelationen Ursachen unterstellen, in dem Moment missbrauchen wir die Daten. Die Vorhersehbarkeit ist beschränkt. Wir müssen verstehen, dass wir es hier mit statistischen Probabilitäten zu tun haben. Und wir müssen verstehen, dass selbst wenn sie perfekt wäre, wir sie vielleicht nicht in allen Punkten haben wollen. Weil sie ein Ende des freien Willens bedeuten könnte. [...] Wenn wir nicht aufpassen, ist es eine unentrinnbare Vergangenheit und eine vorbestimmte Zukunft."
Kurz und prägnant (88 S.), verständlich und mit eingängigen Beispielen stellen Viktor Mayer-Schönberger und Kenneth Cukier in ihrem 2014 erschienenen Buch "Lernen mit Big Data: Die Zukunft der Bildung" (Verlagswebsite) dar, welche Chancen Big Data in allen Bildungsbereichen bietet:
"Zum
ersten Mal in der Geschichte verfügen wir über ein starkes empirisches
Werkzeug, mit dem wir verstehen können, wie man lehrt und wie man
lernt."
"Das Wesen der Bildung ändert sich, weil die Gesellschaft mit Big Data endlich lernen kann, wie man lernt."
"Dieses
Buch handelt davon, wie Big Data Bildung und Lernen verändert. Durch
Big Data erkennen wir so klar wie nie zuvor, was funktioniert und was
nicht. Wir können die Leistungen von Schülern und Studenten verbessern,
da nun Aspekte des Lernens sichtbar werden, die zuvor einfach nicht
beobachtet werden konnten."
Es sind im wesentlichen drei Eigenschaften von Big Data, die Lehren und Lernen verbessern: Feedback, Individualisierung und auf Wahrscheinlichkeiten basierende Vorhersagen.
Diesen drei Aspekten sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Entscheidend
ist (nicht nur, aber auch im Bereich des Lehrens und Lernens), dass Big
Data neue Erkenntnisdimensionen eröffnet:
"Mit
Big Data steht uns so viel Information zur Verfügung, dass wir »die
Daten sprechen lassen« können: Wir können Einsichten gewinnen, die uns
zuvor verschlossen waren (...). Aufgrund dessen werden wir verstehen,
was beim Lernen funktioniert und was nicht – nicht nur ganz allgemein,
sondern je nach Kontext, Klasse und sogar Individuum."
"Big
Data bedeutet mehr als eine Veränderung unserer Lernweise: Es verändert
die Art, wie wir über die Welt denken. Wegen und durch Big Data werden
wir lernen, unser altes Denken in oftmals nur vermeintlichen Ursachen zu
überdenken."
Allerdings müssen wir uns daran
gewöhnen, dass dadurch "verstehen" nicht mehr das ist, was es einmal
war. Das ist ein Grund dafür, dass es Akzeptanzprobleme bei Big
Data-Analysen gibt:
"Wir müssen uns von
der Überzeugung verabschieden, wir könnten einfach Kausalzusammenhänge
aufdecken. Big Data zeigt uns meist nur Korrelationen auf. Diese
Korrelationen – mutmaßliche Verbindungen und Zusammenhänge zwischen
Variablen, die wir zuvor womöglich nicht wahrgenommen haben – verraten
uns nicht, warum etwas geschieht, sondern nur, was geschieht. Aber das
reicht mitunter aus, um Entscheidungen zu treffen."
Die erheblichen Risiken,
die sich mit dem massenhaften Sammeln und Auswerten von Daten im
Bildungssystem verbinden und die nicht nur Privatsphäre und Datenschutz
betreffen, werden ebenfalls thematisiert. Die Autoren bilanzieren:
"Wie
viele Big-Data-Analysen wir im Bildungssystem zulassen wollen und wie
wir uns am besten gegen die absehbaren Schreckensvisionen schützen,
bleibt letzten Endes eine schwierige Abwägung zwischen unserem Verlangen
nach einer Optimierung des Lernens und unserer Ablehnung einer
Festschreibung unser individuellen Zukunft durch die Daten unserer
Vergangenheit."
Die Bundesregierung konnte sich nach einem (gefühlt) nicht enden wollenden Hin und Her dazu durchringen, gegen "offenkundig strafbare Inhalte" (Zitat SPIEGEL ONLINE) vorzugehen. Soziale Netzwerke wie Facebook, Youtube oder Instagram haben von nun an 24 Stunden nach Eingehen einer Meldung / eines Hinweises Zeit, den betreffenden Post zu prüfen und ggf. zu löschen. Sollte das nicht passieren, drohen Strafen von bis zu 50 Millionen Euro.
Hate Speech, nicht zu verwechseln mit Fake News, ist, wenn man Worte und Bilder bewusst und gezielt als Waffe einsetzt. Wenn Menschen abgewertet, angegriffen oder wenn gegen sie zu Hass oder Gewalt aufgerufen wird. Oft sind es rassistische, antisemitische oder sexistische Kommentare, die bestimmte Menschen oder Gruppen als Zielscheibe haben.
Der Terminus Hate Speech ist nicht juristisch definiert, grundsätzlich gilt die Meinungsfreiheit. Das Recht zur Meinungsfreiheit gilt nicht, wenn andere Grundrechte dadurch verletzt werden, beispielsweise die Menschenwürde.
Nun hat jedoch der Bundestag das so gennante Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) verabschiedet, welches soziale Netzwerke zu einem härteren Vorgehen gegen Hate Speech verpflichtet. Entsprechende Beiträge oder Kommentare müssen ab sofort binnen 24 Stunden vom Betreiber gelöscht werden, ansonsten drohen Geldstrafen von bis zu fünf Millionen Euro.
Kritiker sehen in dem Gesetz eine Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit aufgrund von overblocking. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hingegen verteidigt das Gesetz und betont, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf.
Das „No Hate Speech Movement“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Angehörige von Minderheiten zu empowern, aufzuklären und sichtbar zu machen sowie Medienschaffende und hier insbesondere NachwuchsjournalistInnen für diskriminierungsfreie Sprache in den Medien und für eine ausgewogene, sachbezogene Berichterstattung zu sensibilisieren; MultiplikatorInnen zu informieren, zu mobilisieren und vernetzen und die nationale Hate Speech-Kampagne des Europarats in Deutschland zu koordinieren, sie bekannt zu machen und weiterzutragen.
Mithilfe von Memes, Videos und vielen weiteren Ideen versucht man hier, den "Hate Speech" Begriff zu erklären, greifbar zu machen und zum Kontern aufzurufen.
Fake News sind, wie der Name schon besagt, Falschnachrichten.
Allerdings verfolgen ihre Erzeuger unterschiedliche Ziele. Und wie so
oft haben diese vor allem mit Geld und Macht zu tun. Mit Fake News, die
gut „clicken“, sich also im Internet stark und schnell verbreiten, lässt
sich viel Geld verdienen und das mit minimalem Aufwand.
Zu Zeiten des amerikanischen Wahlkampfes machte eine Handvoll politisch völlig unmotivierter mazedonischer Jugendlicher
mit Fake News sehr viel Geld. Sie produzierten am laufenden Band
Falschnachrichten über die beiden US-Spitzenkandidaten. Gefragt waren
private und sehr schmutzige Details ...weiterlesen
1. Einleitung: Unser digitales Ich
2. Wie funktioniert Identitätsdiebstahl?
3. Wie kann man sich und seine Identität schützen?
4. Ich bin Opfer eines Diebstahles geworden, was tun
5. Juristische Einordnung
6. Immer online – Präventionsmaterialien für den Unterricht
1. Einleitung: Unser digitales Ich
Statistisch wird alle drei Sekunden eine Identität geklaut. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte 2015 45.000 Fälle von Computer- und Internetkriminalität mit einem Schaden von mehr als 40 Millionen Euro. Das sind jedoch nur die offiziellen Zahlen. In Wirklichkeit geht man von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus - das BKA verwendet für diese Art von Vergehen den Begriff „Cybercrime“ (vgl. BKA, Lagezahlen 2015). Viele Menschen bemerken den Diebstahl nicht oder erst dann, wenn es zu spät ist. Doch was ist konkret damit gemeint?